Erinnerung und Begegnung e.V.
im
Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen / Schlesische Lausitz

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Der 300. Geburtstag des Königsbergers Immanuel Kant
ein deutsch-russisches Ereignis

Am 13. April wurde der Geburtstag von Immanuel Kant mit einem Vortrag von Dr. Gerhard Barkleit, Mitbegründer des Hannah-Arendt-Instituts in Dresden und Mitglied der Gesellschaft der Freunde Kants, begangen. Der Titel des Vortrags lautete: „Der 300. Geburtstag des Königsbergers Immanuel Kant – ein deutsch-russisches Ereignis“. Zu dieser Veranstaltung sind zwei interessante schriftliche Grußworte eingegangen, die wir unseren Lesern nicht vorenthalten wollen.

Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Minister sich mit der Arbeit eines kleinen Vereins beschäftigt.

Der Sächsische Wissenschaftsminister, Sebastian Gemkow, hat dies getan. In seinem Grußwort wird deutlich, dass die Philosophie von Immanuel Kant die theoretische Basis für moderne demokratische Verfassungen geschaffen hat.

Der Sächsische Beauftragte für Vertriebene und Spätaussiedler, Dr. Jens Baumann, konnte nicht anwesend sein, weil er gleichzeitig an einer Arbeitstagung in Budapest teilgenommen hat, bei der es auch um die Lage der deutschen Minderheiten in Ostmitteleuropa ging. Dr. Baumann stellt klar, dass die Philosophie Kants für die Arbeit der Vertriebenen und Spätaussiedler und darüber hinaus für die gesamte deutsche Politik von Bedeutung ist.

Lassen Sie sich von den beiden Grußworten dazu anregen, darüber nachzudenken, wie sie sich in die Politik und das gesellschaftliche Leben einbringen können.

Red.

Der 300. Geburtstag des Königsbergers Immanuel Kant – ein deutsch-russisches Ereignis

Grußwort des sächsischen Staatsministers für Wissenschaft Sebastian Gemkow

Sehr geehrter Herr Zempel,
sehr geehrter Herr Dr. Barkleit,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Gäste des heutigen Festvortrages,

in wenigen Tagen jährt sich der Geburtstag Immanuel Kants zum 300. Mal. Grund genug auch in diesen Tagen erneut auf sein Wirken, das bis in unsere Gegenwart hineinwirkt, zurückzublicken.

Ihm, dem großen deutschen Philosophen und seinem wichtigsten Werk, der „Kritik der reinen Vernunft“ verdanken wir die moderne Philosophie. Mit „Sapere aude“ – „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“, war eine neue Denkweise in der Gesellschaft angestoßen. Nicht mehr Anleitungen von außen, wie göttliche Weisungen, Tradition und Gewohnheitsrecht, sollten das Handeln des Menschen bestimmen, sondern der Mensch selbst durch seine Vernunft als universeller Urteilsinstanz. Durch Kant kam ein völlig neues Verständnis menschlicher Erkenntnis in die Welt. Eine wahrhaft wissenschaftliche Revolution, die den Königsberger Philosophen in die Nähe der Wende des Kopernikus von der geozentrischen zur heliozentrischen Weltauffassung setzte. Dem erkennenden Denken geht ein transzendentales Weltverhältnis voraus, dass seinen Ursprung im Verstand hat.

Nicht die Natur gibt vor, was wir erkennen können, sondern das Denken strukturiert die empirisch gegebenen Gegenstände durch begriffliche Kategorien vor.

Mit dieser Erkenntnis hat Kant der deutschen und europäischen Geistesgeschichte seinen Stempel aufgedrückt. Bis heute setzen sich Philosophen, Ethiker, Politik- und Sozialwissenschaftler, Naturwissenschaftler und Vertreter anderer wissenschaftlicher
Professionen in aller Welt mit seinem Werk und Gedanken auseinander.

Und so drängen sich grundlegende Fragen auf: Welche Impulse können uns Kants Überlegungen für unsere heutige Gesellschaft geben? Wie kann er uns helfen, Antworten auf aktuelle Fragestellungen, die die Welt bewegen, zu finden? Welche Grundprinzipien der kantischen Philosophie können für drängende Fragen gegenwärtiger Politik und Gesellschaftsordnung geltend gemacht werden? Hierzu aufgefordert werden wir nicht alleine durch den Eintritt in das Jubiläumsjahr. Aufgefordert werden wir hierzu auch durch die Vielzahl globaler Herausforderungen wie den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine oder den Terrorangriff der Hamas auf Israel, die nach mutigen Antworten verlangen.

Ich freue mich, dass der Verein Erinnerung und Begegnung e. V. den Physiker und Wissenschaftshistoriker Dr. Gerhard Barkleit eingeladen hat, uns Immanuel Kant und seine Gedanken näher zu bringen und uns zum Nachdenken über eben diese Antworten anzuregen.

Die vier kantischen Fragen: „Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Was ist der Mensch?“ sind aktueller denn je. Gerade in postfaktischen Zeiten mahnt uns die Transzendentalphilosophie dazu, gründlich über die Fundamente menschlicher Existenz nachzudenken.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen inspirierenden Abend, mit vielen neuen Erkenntnissen und Einsichten im Sinne Kants.

Ihr
Sebastian Gemkow

Grußwort des sächsischen Beauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler,
Dr. Jens Baumann zu der Festveranstaltung
aus Anlass des 300. Geburtstages von Immanuel Kant

Sehr geehrte Damen und Herren,

Die heutige Veranstaltung ist eine besondere, denn wo nimmt man sich noch genug Zeit, sich mit Überzeugungen und Werten auseinanderzusetzen?

Immanuel Kant ist, gerade im Zeitalter der Beliebigkeit und des immer Schneller Besser Reicher, eine Persönlichkeit, die uns besinnen lässt – besinnen auf das, was uns als Gesellschaft zusammenhält.

Dieses Nachdenken erscheint mir in Zeiten des Krieges, wie ihn Russland gegen die Ukraine führt – aber wir sollten dabei nicht vergessen, dass uns Kriege z.B. in Afrika schon als fast zwangsläufig erscheinen, wir sie als gegeben hinnehmen –, zwingend notwendig. Wird es jemals eigentlich Frieden weltweit geben?

Kultur scheint mir ein wichtiges Element des Friedens zu sein. Nitzsche meinte einmal, dass Kunst und Kultur zu einer Flucht vor Langeweile werden, weil „sich langweilen“ zum gähnenden Abgrund des Seins wird, zu etwas Entsetzlichem. In der Langeweile erlebt man den Augenblick als leeres Verstreichen der Zeit. Es ist nicht von Belang, was geschieht. Man weiß nichts mit sich anzufangen und die Folge ist, dass es das NICHTS ist, dass etwas mit einem anfängt, wenn man nichts mit sich selbst anzufangen weiß. Unterhaltenwerden, so die Konsequenz, müssen die Absturzgefährdeten. Kunst und Kultur helfen zu leben, weil das Leben sich sonst vor dem Anfang von Sinnlosigkeitsgefühlen nicht zu helfen weiß.

Unser Land, lange ein Land, welches man weltweit als Kulturstaat mit einem Kulturvolk betrachtete, war 1933 ein bleibendes Negativbeispiel, wie die Zerstörung der Kultur auch den Anstand, das Menschlichsein zerstörte und zu Rassenwahn und Krieg und Völkermord führte.

Wo fängt also Frieden an? Ich sage: In uns: Zufriedenheit, Verständnis, Bildung, Toleranz (sie beginnt dort, wo ich anderer Ansicht und Meinung bin), Diskussionsoffenheit, Zuhören, Annehmen, Beständigkeit auch in Politik, eine gewisse Langsamkeit, Einschreiten bei Ungerechtigkeiten ... dies alles sind Bausteine des Friedens. Man könnte sie als Werte bezeichnen.

Verallgemeinert erkennen wir mit der Zuschreibung „Wert“ etwas als gefühlsmäßig übergeordnet an, dass ein Tun bzw. Nicht-Tun-Sollen, dass ein Sein bzw. Nicht-Sein-Sollen beschreibt, eine Sinnzuschreibung ist. Werte bedingen Bekenntnis.

Kant hat sich damit auseinandergesetzt und er hat dies mit Moral verbunden. Wie oft denken wir nicht, DIES mache ich jetzt und davon habe ich JENES. Sie können es oftmals in den sozialen Medien bestaunen, wo geputzt, gepflanzt, gespendet, gepflegt, probegearbeitet usw. wird. Sicher ist das gut, weil etwas entsteht. Doch es liegt ein Nutzen dahinter wie Anerkennung und Wahrnehmung, was auch grundsätzlich nicht verkehrt ist.

Kant sagt aber, und dies erscheint mir bei allem, was wir sein wollen, als wichtig, dass eine Handlung nur dann moralisch ist, wenn sie Zweck an sich ist und nicht Mittel zu einem anderen Zweck. Es ist vielleicht gut, aber eben nicht moralisch, wenn ich jemanden helfe, um gut dazustehen, Anerkennung zu bekommen. Um Anerkennung darf es nicht gehen und oftmals, man möchte fast sagen zum Glück, fehlt sie ja sowieso.

Auf etwas Zweites möchte ich bei Kant auch noch hinweisen, weil es mit einem Thema verbunden ist, welches sich bei Flucht und Vertreibung immerzu stellt, welches aber in jedem Leben ebenso eine zentrale Rolle spielt: Heimat.

Heute unvorstellbar, aber reflektiert als Heimatverständnis wohl ein gutes Beispiel, ist sein Festkleben an Königsberg, was aber nicht statisch war, er hat seine Heimatstadt entscheidend mitgeprägt. Und er hat gezeigt, dass durch einen ruhenden Anker Großes weltweit entstehen kann.

Heimat ist immer aktuell: Jeder schafft sich seine Heimat nämlich nicht durch einen sehnsuchtsvollen Rückblick, sondern durch ein aktives, auf Werten beruhendem Handeln. Beheimatet sein wollen ist eine Handlungsanleitung für die Suche nach dem „richtigen“ Leben.

Heimat heißt damit zuallererst, den Menschen eine Perspektive in ihrer Region zu geben, dies kann auch in einer anderen Kulturregion sein und die Auseinandersetzung mit anderen Kulturen bringen einen unbestreitbar voran. Und nur wer Heimat für sich findet, egal an welchem Ort der Welt, der setzt sich auch für diese nachhaltig ein. Diese bürgerliche Tugend, etwas zu tun für seine Heimat, für seine Kommune, die zugleich Ort und Mitbürger meint, ist ein zentrales Moment unserer Demokratie. Der Einsatz des Bürgers für seinen Staat macht ihn erst lebenswert und sicher.

Ich danke Ihnen und wünsche Ihnen einen interessanten Nachmittag und Austausch!

Dr. Jens Baumann

Wettbewerb im Schuljahr 2023/24 für
Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse im Freistaat Sachsen und seinen Nachbarregionen in Polen und Tschechien

„Gewissen und Widerstand in Deutschland, Polen und Tschechien“

Vor 80 Jahren, am 20. Juli 1944, misslang das Attentat von Claus Schenk Graf von Stauffenberg auf Adolf Hitler. Stauffenberg war kein Einzeltäter. Viele Offiziere und Zivilisten hatten mit ihm zusammen das Attentat vorbereitet. Ihr Attentat ist nur der bekannteste

Versuch, die Herrschaft des deutschen Nationalsozialismus zu brechen, den Krieg und das Morden in den Konzentrationslagern zu beenden. Nicht nur in den drei Ländern, in denen dieser Schülerwettbewerb ausgeschrieben wird, sondern im gesamten Machtbereich der Nationalsozialisten gab es Widerstandshandlungen. Oft waren auch Jugendliche und junge Erwachsene beteiligt, zum Beispiel beim Warschauer Aufstand oder bei den Aktionen der Weißen Rose in München oder die beiden jungen Soldaten Jan Kubiš und Jozef Gabčík, die in Prag einen der Organisatoren des Holocaust, SS-Obergruppenführer Heydrich, töteten.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg regte sich Widerstand in der sowjetischen Besatzungszone und der dann neu gegründeten DDR gegen die Errichtung einer neuen Diktatur. Er wendete sich gegen Unfreiheit und Bevormundung und brachte das System
1989 zum Einsturz. Nicht nur in der DDR, sondern auch in der Tschechoslowakei und der Volksrepublik Polen gab es vielfältigen Widerstand. Einzelne Akteure – wie die Werdauer Oberschüler – aber auch Oppositionsgruppen – wie die Charta 77 oder die zahlenmäßig starke Solidarność – kämpften für Freiheit und Mitbestimmung. Vom Flugblatt, über Streiks, bis hin zu Aufständen – die Widerstandsformen waren vielfältig.Widerständler gingen ein großes Risiko ein, denn das gesamte öffentliche Leben wurde
streng überwacht und reglementiert. Schon kleine Widerstandsaktionen konnten weitreichende Folgen haben. Systemgegner wurden hingerichtet, zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, psychisch geschädigt und im Alltag benachteiligt.

Aufgabenstellung

Was bedeutet für euch Widerstand? Wie unterscheidet sich Widerstand in einer Diktatur von einem Protest in einer Demokratie? Welcher Akt, welche Form des Widerstandes hat euch berührt, beeindruckt oder erschüttert? Geht der Frage nach, was Menschen antreibt, sich gegen Autokratie, Totalitarismus und Diktatur zu wehren und sich widerständig zu verhalten.

  • Berichtet darüber oder erzählt davon in einer Geschichte oder einem Essay,einem Gedicht, Theaterstück oder Comic oder
  • erstellt eine Präsentation oder
  • produziert ein Video oder einen Podcast oder
  • gebt eure Gedanken bildnerisch oder musikalisch wieder.

Es wird keine besondere Form vorgegeben, findet selbst die passende. Ihr könnt allein oder in Gruppen arbeiten.

Interessant wäre es, wenn ihr euch mit Menschen und einem Akt des Widerstandes im Nachbarland beschäftigen würdet. Auf diese Weise erfahrt ihr, erfahren wir mehr von den anderen, lernen wir Menschen, Taten und Daten kennen, die den Nachbarn wichtig sind. Denkt daran, dass es viele öffentlich nicht bekannte Menschen gab, die im alltäglichen Leben Widerstand geübt haben.

Die Einreichungen sind bitte in deutscher Sprache abzugeben.

Prämierung

Eine Jury wird unter den Beiträgen die eindrucksvollsten auswählen und prämieren.

Voraussichtlich im Mai 2024 werden diese und Vertreter aller teilnehmenden Schulen am Wettbewerb zur Präsentation und Preisverleihung nach Knappenrode in die Bildungs- und Begegnungsstätte Transferraum Heimat eingeladen.

Insgesamt stehen 5.000 € für Preisgelder zur Verfügung, zudem wird mit den Siegern ein Segeltörn auf dem Geierswalder See mit dem letzten Beiboot der am 30. Januar 1945 versenkten Wilhelm Gustloff vereinbart. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten ebenso eine Urkunde. Außerdem wird ein A3 Jahreskalender erstellt, der die besten Einreichungen und die Preisverleihung widerspiegelt.

Eure Beiträge reicht bitte bis zum 30. April 2024 ein bei:

Stiftung Erinnerung, Begegnung, Integration
Kennwort: Schülerwettbewerb 2024
Werminghoffstraße 11
02977 Hoyerswerda/OT Knappenrode

Hinweis

Wenn ihr inhaltlichen Input braucht, auf der Suche nach konkreten Ideen oder Impulsen seid oder aber fachliche und technische Hilfe bei der Erstellung der Beiträge benötigt, dann meldet euch bei:

Stiftung Erinnerung, Begegnung, Integration
Frank.hirche@transferraum-heimat.de

Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
Devrientstraße 1 | 01067 Dresden
Tel.: +49 (0)351-493 3700, Mail: lasd@slt.sachsen.de

(Bitte beachtet, dass die Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur nur die Projekte begleitet, die sich mit der Zeit von 1945 bis 1989 auseinandersetzen)

Beauftragter für Vertriebene und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen
Jens.baumann@smi.sachsen.de / www.bvs.sachsen.de

Der Verein Erinnerung und Begegnung e.V. lädt alle Interessierten
aus Anlass des 300. Geburtstages von Immanuel Kant ein zu einer
Festveranstaltung. Sie steht unter dem Motto:

Der 300. Geburtstag des Königsbergers Immanuel Kant
Ein deutsch-russisches Ereignis

Sonnabend, den 13. April 2024, 14:30 Uhr,
Festsaal des Goethe-Instituts
Königsbrücker Straße 84, 01099 Dresden

Dr. Gerhard Barkleit wird Immanuel Kant würdigen und eine kurze

Einführung in sein Leben und Wirken vornehmen.

Den Veranstaltungsort erreichen Sie bequem aus der Innenstadt
und vom HBf mit der Straßenbahnlinie 7 Richtung Weixdorf.
Besucher, die aus Nord-Dresden und vom Bahnhof Neustadt
kommen, müssen mit der Straßenbahnlinie 3 bis zum Albertplatz
fahren und dort in die Linie 7 umsteigen.
Die Haltestelle Tannenstraße befindet sich direkt vor der Tür des
Goethe-Instituts.

Erinnerung, Begegnung, Integration – Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen
Werminghoffstr. 11,
02977 Hoyerswerda

Auslobung des ZukunftErbe-Preises 2024

für herausragende Beiträge zur Geschichte und Bewahrung des kulturellen Erbes der Vertreibungs- und Aussiedlungsgebiete der Deutschen aus OstMittelEuropa

Der „ZukunftErbe-Preis“ wird vergeben für herausragende Leistungen schriftstellerischer oder anderer künstlerischer (z. B. Malerei, Musik) oder wissenschaftlicher Art, die sich mit der Geschichte und Bewahrung des kulturellen Erbes der Vertreibungs- und Aussiedlungsgebiete der Deutschen aus Ostmitteleuropa befassen. Insbesondere soll der Preisträger in seinem Schaffen nachdrücklich dazu beigetragen haben, dass dieses kulturelle Erbe auch heute beidseitig der Grenzen, also in der Bundesrepublik Deutschland (vorrangig dabei im Freistaat Sachsen) als auch in den ehemaligen Vertreibungs- und Aussiedlungsgebieten, für Impulse im gesellschaftlichen Miteinander sorgt. Von daher ist auch der Bezug zur erfolgten Integration als auch zu Fragen des Minderheitenschutzes gegeben.

Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Er kann auch geteilt vergeben werden. Über die Vergabe entscheidet eine von der Stiftung berufende Jury unter Ausschluss des Rechtsweges. Die Vergabe selbst erfolgt am zweiten Sonntag im September anlässlich des Sächsischen Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung.

Vorschläge für Preisträger sind bis zum 10. Mai 2024 an die obige Adresse zu richten. Die Jury ist vorschlagsberechtigt.

Die Verleihung ist mit der Auflage verbunden, dass das ausgezeichnete Werk bei einer Veranstaltung der Stiftung vorgestellt wird. Bei der Veröffentlichung des Werkes ist auf die Unterstützung durch die Stiftung, den Beauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler des Freistaates Sachsen und die Mitfinanzierung des Projektes aus Mitteln des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes hinzuweisen.

Frank Hirche, Vorstandsvorsitzender Stiftung Erinnerung, Begegnung, Integration
Dr. Jens Baumann, Beauftragten für Vertriebene und Spätaussiedler des Freistaates Sachsen
Hoyerswerda, den 18. März 2024

Gedenkrede zur Deportation der Banater Schwaben in die Sowjetunion

Prof. Dr. Anton Sterbling (Fürth)

Lassen Sie mich mit einem Gedicht beginnen. Und bitte lassen Sie die Verse und Bilder auf sich wirken.

Deportation
Dunkle Wolken zieh’n
mit den nordostwärts fahrenden Zügen
wie eine Ahnung des Todes.
Wie eine Ahnung der Toten in eiserstarrter Erde;
der toten Mütter, ihrer
verwaisten Kinder ewig fern;
der toten Väter, die nie ihre
noch ungeborenen Söhne
kennen werden;
der jenseits des nichts
entschwundenen,
namenlosen Toten.
Dunkle Wolken zieh’n
mit den nordostwärts fahrenden
Zügen.

Namenslisten, Schrecken der Aushebung und der lange Weg in die Ungewissheit

Gerüchte über die Verschleppung der Deutschen und andere repressive Maßnahmen kursierten schon seit längerem. Wie konnte es, nach dem Heranrücken der Schrecken des Krieges, der Flucht eines Teils der deutschen Bevölkerung des Banats im Herbst 1944 und dem weiteren Kriegsgeschehen auch anders sein? Bereits Monate vor der Deportation wurden Namenslisten erstellt, von denen einzelne gerüchteweise erfuhren, und noch vor Ende des Zweiten Weltkriegs, nämlich ab 12./13. Januar 1945, wurden über 70.000 Rumäniendeutsche zur Zwangsarbeit oder sogenannten „Reparationsarbeit“ in die Sowjetunion verschleppt. Es betraf Männer im Alter zwischen 17 und 45 Jahren und Frauen zwischen 18 und 30 Jahren, soweit diese keine Kinder unter einem Jahr hatten. Dabei nahm man es mit diesen Altersgrenzen nicht immer so genau, wenn sich bestimmte Personen der Aushebung zu entziehen versuchten oder die vorgesehenen Zahlenkontingente aufgefüllt werden mussten. Dann wurde Druck auf die Angehörigen der Versteckten ausgeübt und diese stellvertretend zu deportieren angedroht. Manchmal geschah dies auch. In manchen Fällen sogar, obgleich sich die Gesuchten stellten. Oder es wurden auch jünger oder ältere Deutsche oder in seltenen Fällen auch Angehörige anderer Ethnien deportiert. Auch deutsche Kommunisten blieben übrigens nicht verschont.

Von der deutschen Deportierten aus Rumänien waren knapp die Hälfte, also etwa 33.000 Banater Schwaben, einschließlich der Berglanddeutschen (Deutsche aus dem Banater Bergland). Man schätzt, dass etwa 15 bis 20 Prozent der verschleppten Banater Schwaben in der Deportation, auf dem Heimweg oder an den unmittelbaren Folgen der Verschleppung verstorben sind. Der Anteil der mittelfristig oder längerfristig Verstorbenen ist schwer zu schätzen. Jedenfalls hatten nicht wenige auch lebenslange Leiden, Beschwerden und Krankheiten – vielfach auch seelische Verletzungen und ihre Nachwirkungen – aus der Deportation mitgebracht.

Und viele haben diese belastenden Erlebnisse und Erfahrungen auch lange Zeit ins Ungesagte, ins absichtliche Verschweigen oder Vergessen, verdrängt.

Bereits die Geschehnisse der Aushebung, der Festnahme, der Vorbereitung für die Reise ins Ungewisse in den oft seit Tagen bereitstehenden Viehwaggons war für die Betroffenen und ihre Angehörigen, für die zurückgelassenen Eltern oder auch für die kleinen Kinder, die bei Großeltern oder Verwandten zurückblieben, bedrückend und erschütternd. Und danach begannen die wochenlangen Fahrten „nordostwärts“, wie es in dem Gedicht heißt, zusammengepfercht in den Viehwaggons, unter scharfer Bewachung und zugleich unter unwürdigen hygienischen Bedingungen, unter Peinlichkeits- und Schamgefühlen, bei Kälte und Hunger, bei bereits um sich greifender Schwäche und Krankheit, ins unendlich Trostlose und Ungewisse. In Herta Müllers Roman „Atemschaukel“ wird zu dieser Fahrt eines Siebzehnjährigen festgehalten: „Vielleicht wurde in dieser Nacht nicht ich, aber der Schrecken in mir plötzlich erwachsen. Vielleicht wird Gemeinsamkeit nur auf diese Art wirklich. Denn alle, ausnahmslos alle
setzten wir uns bei der Notdurft automatisch mit dem Gesicht in Richtung Bahndamm. Alle hatten wir den Mond im Rücken, die offene Viehwaggontür ließen wir nicht mehr aus den Augen, waren bereits auf sie angewiesen wie auf eine Zimmertür. Wir hatten schon die verrückte Angst, dass die Tür sich ohne uns schließt und der Zug ohne uns wegfährt.“ Und in den Gesichtern mancher der Schwächsten zeigte sich auf dieser, oft unendlich lange erscheinenden Fahrt in den Viehwaggons bereits der „Hungerengel“, wie er in Herta Müllers „Atemschaukel“ genannt wird, als erkennbarer Vorbote des Todes.

Deportation als Anwendung des „Kollektivschuldprinzips“

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, mit der Deportation der Deutschen, war nicht mehr nur von der „Kriegsschuld“, wie nach dem Ersten Weltkrieg, sondern vielfach und insbesondere im östlichen Europa nur noch von der „Kollektivschuld“ (der Deutschen) die Rede. Zur Frage der „Kollektivschuld“ schrieb der namhafte Philosoph Karl Jaspers indes bereits 1946 u.a.: „Es ist aber sinnwidrig, ein Volk als Ganzes eines Verbrechens zu beschuldigen. Verbrecher ist immer nur der einzelne. Es ist auch sinnwidrig, ein Volk als Ganzes moralisch anzuklagen. (...) Moralisch kann immer nur der Einzelne, nie ein Kollektiv beurteilt werden.“ Die Rückkehr und Anwendung des Prinzips der Kollektivschuld erfolgte ganz gegen die Entwicklungsrichtung der abendländischen Zivilisation und Rationalität, die das Individuum und dessen Handeln in den Mittelpunkt des sozialen Geschehens wie des Rechtsdenkens und der Rechtspraxis stellte. Diese folgenreiche (semantische und rechtliche) Verschiebung im Daseins- und Rechtsverständnis entsprach dem totalitären Charakter zumindest eines Teils der Herrschaftsordnungen der Kriegsmächte und der weitgehend entgrenzten, „totalen“ Austragungsform des Krieges, mit seinen teilweise unverkennbar deutlichen Zügen als „Vernichtungskrieg“.

Gegenüber einer Sichtweise, die den einzelnen Menschen als mündigen und rechtlich gleichgestellten Bürger und mithin als maßgebliches „Handlungs- und Rechtssubjekt“ auffasst, kehrten in den totalitären und autoritären Herrschaftssystemen des 20. Jahrhunderts mit der „Sippenhaftung“ und der herkunfts- und zugehörigkeitsbegründeten „Kollektivschuld“, mit den Vertreibungen und Vernichtungen nicht nur traditional-fundamentalistische, sondern zum Teil sogar archaische und atavistische Denkweisen und Rechtsvorstellungen zurück. Mit anderen Worten: es war eine Rückkehr des Unrechts und der Barbarei in die zivilisierte Welt. Ausschlaggebend für die Deportation der Deutschen war allein das ethnische Herkunfts- und Zugehörigkeitsmerkmal, unabhängig von jeder individuellen moralischen Haltung und Gesinnung, Verstrickung in die Geschehnisse oder Widerstand gegen Unrecht, subjektiver Mitschuld oder Schuldlosigkeit. Und dies setzte sich in einer kollektiven Mithaftung selbst in der Generationenfolge fort.

Die bedrückende Wirklichkeit der Arbeitslager

Die Anwendung des Kollektivschuldprinzips und die faktische Umsetzung der Kollektivschuldzuschreibung erfolgte, bürokratisch geplant und durchorganisiert, als Massendeportation der Deutschen aus Rumänien und anderen Ländern des sowjetischen Einflussgebietes und als Zwangsarbeit unter einem inhumanen Lagerregime, mit strengen, gewaltgestützten Regelungen, Zwängen, Kontrollen, Schikanen, Demütigungen und Repressionen.

Sie erfolgte unter oft rudimentären Unterbringungs-, Hygiene- und Lebensbedingungen, bei im Winter eisiger Kälte, häufiger Krankheit, nahezu ständigem Hunger, körperlicher Schwäche, Gebrechlichkeit und vielfachem Tod. Der Tod war eine häufige, alltägliche Erscheinung in den Deportationslagern, und der Umgang mit ihm war ebenfalls den in nahezu jeder Hinsicht gegebenen Restriktionen und Knappheitsbedingungen unterworfen.

All dies findet sich in eindrucksvoller literarischer Verarbeitung und mit außergewöhnlicher sprachlicher Sensibilität in Herta Müllers „Atemschaukel“ verdichtet. So ist bei ihr zu lesen: „Bei den ersten drei von uns, die am Hunger gestorben sind, wusste ich genau, wer sie sind und die Reihenfolge ihres Todes. Ich dachte ein paar lange Tage an jeden der drei. Aber die Zahl Drei bliebt niemals die erste Zahl Drei. Jede Zahl wird abgeleitet. Und abgehärtet. Wenn man selbst eine Knochenhaut und körperlich nicht mehr gut beieinander ist, hält man die Toten tunlichst von sich weg. Denn es gab in den Spuren der Mathematik, im März, im vierten Jahr schon dreihundertdreißig Tote. Da kann man sich die deutlichen Gefühle nicht mehr leisten. Da hat man nur noch kurz an sie gedacht.

Zum gleichen Gegenstand des Todes und der Toten in den Deportationslagern kann man auch in Richard Wagners „Habseligkeiten“ lesen: „In diesem Winter starben mehrere Leute. Karl hob mehrere Leichengruben aus. Die Tischler fertigten jetzt Särge für die Toten an. Die Gräber auszuheben dauerte bei der Kälte manchmal eine ganze Woche. So lagen die Leichen hartgefroren im Werkschuppen. Einmal, als drei Männer beerdigt werden sollten, war der Boden so hart gefroren, daß man die Grube nicht tief genug ausheben konnte. Es hatten genaugenommen nur zwei Särge darin Platz. Nun kam einer auf die Idee, zuerst zwei hineinzustellen und den dritten dazwischen, auf die Kante.

Solche Daseinslagen, wie sie die sowjetischen Arbeitslager für die Verschleppten darstellten, bedeuteten große Herausforderungen der Menschlichkeit und tiefe Beschädigungen der menschlichen Würde. Aber – wie viele der Berichte aus den Lagern ebenso eindrucksvoll erkennen lassen – auch veritable Bewährungsmöglichkeiten der Menschen und ihrer Hilfsbereitschaft in größter Not und Bedrohung, auch über ethnische Grenzen hinweg. Sie boten vielfach Musterbeispiele des zwischenmenschlichen Einfühlungsvermögens in existentielle Grenzsituationen und der nahezu unbegrenzten und aufopferungsvollen menschlichen Solidarität und Mitmenschlichkeit. Auch die tröstende Wirkung der Religion und die erbauliche Bedeutung der Gemeinschaftstraditionen für einzelne Menschen ließen sich in solchen ungewöhnlichen Daseinssituationen vielfach deutlich erkennen.

Abschließende Gedanken

Das Gedenken an die Deportation der Banater Schwaben in die Sowjetunion soll uns all dies Grauenvolle und Schreckliche, das existenziell Herausfordernde, Bedrückende und manchmal auch Tragische nochmals schärfer ins Bewusstsein heben. Eine wichtige Lehre zieht sich dabei durch all dies, die wir uns für die Gegenwart und Zukunft – auch und gerade angesichts neuer Kriegsgeschehnisse in der heutigen Welt – tunlichst einprägen sollten: Historische Katastrophen und politische Verbrechen, durch wen auch immer verschuldet und zu verantworten, haben nicht selten schwerwiegende und langfristige Auswirkungen, deren zeitliche und sachliche Reichweite man oft gar nicht angemessen beurteilen und abschätzen kann.

Sie treffen zudem nicht selten individuell und subjektiv schuldlose Menschen, die dafür noch in der Generationenfolge in kollektive Haftung genommen werden.

Solche historische Ereignisse und Erfahrungen können schmerzhafte und nachhaltige Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen. Das Beispiel der Banater Schwaben kann Aufschluss geben und zur Bedenklichkeit anregen, wie rasch eine solche menschliche Gemeinschaft als ethnische Minderheit ins Räderwerk der Geschichte geraten und – mit oder ohne eigenes Zutun und Schuld – zum willkürlichen Spielball entfesselter und gewaltenthemmter Mächte werden kann. Und insbesondere, unter dem
Vorzeichen der „Kollektivschuld“ ins Leid gestürzt und verhängnisvoll bestraft wird.

Lassen wir, nach dem Gehörten, doch nochmals das Gedicht auf uns wirken.

Deportation

Dunkle Wolken zieh’n
mit den nordostwärts fahrenden Zügen
wie eine Ahnung des Todes.
Wie eine Ahnung der Toten in eiserstarrter Erde;
der toten Mütter, ihrer
verwaisten Kinder ewig fern;
der toten Väter, die nie ihre
noch ungeborenen Söhne
kennen werden;
der jenseits des nichts
entschwundenen,
namenlosen Toten.
Dunkle Wolken zieh’n
mit den nordostwärts fahrenden
Zügen.

Wolfgang Liebehenschel

Ferdinand Friedensburg – ein großer Schlesier, der viel für Berlin geleistet hat

Ein Schweidnitzer lenkte die Geschicke der Vier-Sektoren-Stadt Groß-Berlin vor und während der erzwungenen Teilung - der 1. Bürgermeister, der Stellvertretende Oberbürgermeister und der Oberbürgermeister Ferdinand Friedensburg – eine Regierungszeit 1946 bis 1951 im Spannungsfeld Wenn Ferdinand Friedensburg auch nur wenige Jahre seiner Kindheit im schlesischen Schweidnitz verbrachte, so ist sein späteres politisches Leben anlässlich seines vorjährigen 50. Todestages einer
Würdigung wert - als Schlesier und als verdienstvoller Politiker nach 1945 aus einer echt schlesisch geprägten Familie. Er wurde am 17.11.1886 in Schweidnitz als Sohn des Juristen und Numismatikers Ferdinand Friedensburg geboren. Sein Großvater, der Politiker Ferdinand Friedensburg, führte ihn in politische Probleme ein. Der Bruder, Walter Friedensburg, war General.

Die Familie war liberal-konservativ. 1889 siedelten die Eltern nach Berlin über, wo er sein Abitur ablegte und nach einer einjährigen praktischen Ausbildung ein Studium an der Bergbauakademie Berlin absolvierte. Er studierte dort Naturwissenschaft, Bergbau, Geisteswissenschaft und Jura und war später Student in Marburg. Dann ging er in seine schlesische Heimat zum Studium nach Breslau, wurde Bergreferendar und machte seine Doktorprüfung, im Jahr 1914 sein Examen als Bergassessor. Beim 2. Schlesischen Feldartillerie-Regiment Nr.42 in Schweidnitz leistete er als Einjährig-Freiwilliger seinen Militärdienst ab und wurde Leutnant der Reserve. 1914 reiste er nach Amerika. Auf der Rückreise wurde er von den Briten auf Gibraltar interniert. Bei einem Fluchtversuch brach er sich beide Beine, wodurch sich seine Berufsaussichten im Bergbau zerschlugen und er nicht mehr kriegsverwendungsfähig war. So entlassen, kam er zwecks Heilung in die Schweiz und war dort bis Ende 1918 für die Deutsche Botschaft in Bern tätig. Zurück in Berlin, arbeitete er als Journalist, wurde Mitglied der DDP, und begann eine Laufbahn als Jurist in der staatlichen Verwaltung. Im westpreußischen Kreis Rosenberg wurde er Landrat und hatte landwirtschaftliche Staatsaufgaben zu bewältigen. Berlin berief ihn ins Amt des Polizei-Vizepräsidenten. Als preußischer Schlesier verteidigte er die rechtsstaatlichen Prinzipien der Weimarer Republik gegen Extremismus von rechts und links. 1926 wurde er vom Verein Deutscher Studenten wegen seiner liberalen Einstellung ausgeschlossen. Deutschnationale Führungskräfte bewirkten im März 1927 seine Versetzung als Regierungspräsident nach Kassel. Er engagierte sich im weimar-republiktreuen „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“. Im Herbst 1933 wurde er von den Nationalsozialisten aus dem Staatsdienst entlassen. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich nun mit wissenschaftlicher Forschung im erlernten Fachgebiet Bergbau. 1935 war er kurz in Gestapo-
Haft. Politisch still und zurückgezogen, verbrachte er die Zeit bis zur Kapitulation im Mai 1945 in Berlin, wo er alsdann als „unbelasteter Deutscher“ die Leitung des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung übernahm. Friedensburg wurde in dieser Zeit Mitgründer der CDUD. Der Sowjetmarschall Georgi Konstantin Schukow setzte ihn am 1.August 1945 als Präsidenten der „Deutschen Zentralverwaltung für die Brennstoffindustrie in der SBZ“ ein. Seine zwei Vizepräsidenten, beide ideologisierte KPD-Angehörige, waren für ihn fachlich völlig inkompetent, aber sie „sorgten“ dafür, dass Friedensburg wegen „Duldung faschistischer Umtriebe“ ein Jahr später entlassen wurde. - Dennoch wählte ihn das Stadtparlament, nach den ersten Wahlen seit
dem Ende der NS-Herrschaft zur Berliner Stadtverordnetenversammlung im Oktober 1946, am 5.12.1946 zum 1. Bürgermeister von Groß-Berlin und Stellvertreter des SPD-Oberbürgermeisters Otto Ostrowski. Als die nach Ostrowski amtierende Oberbürgermeisterin Louise Schröder am 14.8.1948 aus Krankheitsgründen nicht mehr arbeiten konnte, übernahm Friedensburg in der 8.Woche der Berliner Blockade die Amtsgeschäfte der Oberbürgermeisterin. Wie ein Putsch fand am
30.11.1948 im Admiralspalast eine von der SED einberufene Kundgebung statt, die den „Provisorischen demokratischen Magistrat“ ausrief. Als OB setzte man den SED-Genossen Friedrich Ebert ein, der sofort von dem sowjetischen Stadtkommandanten als rechtmäßig regierender Magistratsvertreter anerkannt wurde. Friedensburg wurde von der Volkspolizei das Betreten seiner Amtsräume verboten. Damit war am 1.12. 1948 die Spaltung Berlins vollzogen. Am 1.12.1948 ging für Friedensburg die Zeit als Kommissarischer OB zu Ende. Louise Schröder nahm ihre Geschäfte am 7.12.1948 wieder auf, eine neue Stadtverordnetenwahl durfte nur in den drei Westsektoren erfolgen. Im Ostsektor wurde durch den Sowjetkommandanten Kotikow die Wahl verboten.
Obwohl die Wahl für die SPD einen Wahlsieg mit 64,5% brachte, wurde die Koalition aus CDU und LDP fortgesetzt. Der gebürtige Schlesier Friedensburg gehörte der neuen Stadtregierung wieder als Bürgermeister an. Aber nach erneuten Wahlen am 3.12.1950 fand er im neuen Senat keine Mehrheit und schied am 1.2.1951 aus dem Amt.

Am 1.2.1951 wurde er Bundestagsabgeordneter und auch in den folgenden drei Legislaturperioden vom Berliner Abgeordnetenhaus in den Bundestag in Bonn entsandt, dem er bis 1965 angehörte. Dem Europaparlament gehörte er von 1958 bis 1965 an. 1953 bis 1957 war er stellvertretender Vorsitzender des Bundestagsausschusses zum Schutz der Verfassung und bis 1961 der Vorsitzende des Wahlmännerausschusses des Bundesverfassungsgerichts. - Der so schlesisch geprägte Mann diente durch wissenschaftliche Arbeit von 1945 bis 1968 als Präsident dem „Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung“. - Es wäre hier zu viel, alle Funktionen zu beschreiben, die er innehatte. Als Freund Schlesiens war er von 1949 bis 1954 Kuratoriumsmitglied der Fürst-Donnersmarck-Stiftung.

Er bewirkte, dass 1963-1965 für die Gesellschaft für Erdkunde das Alexander-von-Humboldt-Hauses in Berlin eingerichtet wurde. 1956 bekam er das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern,

1961 das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband. 1971 wurde er Ehrenbürger West-Berlins und drei Universitäten der USA ernannten ihn zum Ehrendoktor. Er starb am 11. März 1972 in Berlin-West und wurde auf dem Friedhof in Berlin-Nikolassee bestattet. Er erhielt ein Ehrengrab und am Haus Hoiruper Straße 14 a in Berlin-Zehlendorf eine Gedenktafel. - Seine Wurzel ist Schlesien, sein Lebenswerk verdankt er seiner schlesisch geprägten Familie und seiner Tüchtigkeit.

Der Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler Sachsen/Schlesische Lausitz e.V. (LVS) ist die Interessenvertretung der Vertriebenen, Flüchtlinge, Aussiedler, Spätaussiedler, Migranten und deutschen Minderheiten in allen vertriebenenspezifischen Fragen im Freistaat Sachsen. Er nimmt als Dachverband seiner Mitgliedsverbände Aufgaben als Ansprechpartner der Sächsischen Staatsregierung wahr und berät über seine Mitgliedsverbände, sowohl ehrenamtlich als auch hauptamtlich, nach Deutschland zugewanderte Menschen.

Der LVS sucht ab 01.02.2022 für die Standorte in Chemnitz, Dresden und Zwickau jeweils

eine/einen Migrationsberater (m/w/d)

mit Hochschulabschluss (B.A. / M.A. / Diplom) in einem der folgenden Studiengänge:

  • Sozialpädagogik
  • Sozialarbeit
  • Soziale Arbeit
  • Pädagogik
  • Erziehungswissenschaft

Der Einsatz für die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer/Innen als MBE- Berater erfolgt in Vollzeit mit 39 Stunden pro Woche.

Die Einstellung erfolgt zum nächstmöglichen Zeitpunkt, frühestens aber zum 01.03.2024. Die Vergütung erfolgt in analoger Anwendung des TVöD.

Ihre Aufgaben:

  • bedarfsorientierte Einzelfallberatung der Zielgruppe der Neuzuwanderer/Innen und Spätaussiedler/Innen und deren Familienangehörige sowie der MigrantInnen mit einem auf Dauer angelegten Aufenthaltsstatus auf der Grundlage eines professionellen Case-Management-Verfahrens
  • Planung und Durchführung von pädagogische Gruppenangeboten
  • Außensprechstunde
  • Netzwerkarbeit und Kooperation mit Integrationsakteuren vor Ort
  • Mitwirkung bei der interkulturellen Öffnung
  • aktive Öffentlichkeitsarbeit vor Ort

Ihr Profil:

  • fachliche Qualifikation durch Hochschulabschluss in einem der vorgenannten Studiengänge oder einen vergleichbaren Abschluss
  • Berufserfahrung (erwünscht, aber nicht Bedingung)
  • Kenntnisse im Sozialrecht (SGB) und Aufenthaltsrecht (AufenthG / FreizügG / EU)
  • interkulturelle Kompetenz, migrationsspezifische Kenntnisse und Empathiefähigkeit
  • Beherrschung mind. einer für den Beratungsprozess mit den Zielgruppen relevanten Fremdsprache (möglichst Russisch und evtl. Englisch oder eine andere Fremdsprache)
  • Erfahrung in der Gremienarbeit und in der Zusammenarbeit mit öffentlichen Behörden (z.B. Job Center, Agentur für Arbeit)
  • selbständiges und eigenverantwortliches Arbeiten
  • sicherer Umgang mit MS-Office-Produkten; Gewissenhaftigkeit bei der Dokumentation der Beratungsarbeit (Dateneingabe in Datenbank)

Unser Angebot:

  • gute Arbeitsatmosphäre im engagierten Team
  • Flexibilität und Selbständigkeit bei der Arbeit
  • Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten und regelmäßige Supervision
  • Vergütung in analoger Anwendung des TVöD Bund
  • Zusatzversicherung VBL

Die Stelle ist befristet bis 31.12.2024. Eine anschließende Weiterbeschäftigung ist möglich und wird angestrebt.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann freuen wir uns auf Ihre Bewerbung. Ihre vollständigen und aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen senden Sie bitte zeitnah per E-Mail an manfred.hellmund@freenet.de

oder per Post an

Dachverband Sächsischer Spätaussiedler
Dr. Manfred Hellmund
Bernhard-Göring-Str. 152, Zimmer 209
04277 Leipzig

Die Bewerbungsunterlagen abgelehnter Bewerber werden zwei Monate nach Eingang der Bewerbung gelöscht bzw. vernichtet.

Erinnerung an den schlesischen protestantischen Dichter Jochen Klepper, der vor 120 Jahren geboren wurde

Ein Aufsatz von Wolfgang Liebehenschel

Jochen Klepper wurde vor 120 Jahren, am 22. März 1903, in Beuthen/Oberschlesien geboren. Am 10. Dezember 1942 ging er mit seiner Frau Hanni und seiner Tochter Renate in den Freitod, um der Deportation der beiden Frauen in ein Vernichtungslager zu entgehen. Die Tochter Brigitte hatte zuvor nach England ausreisen dürfen.

Unser Autor Wolfgang Liebehenschel erinnert an den großen Dichter, dem wir viele Kirchenlieder verdanken, darunter das Adventslied „Die Nacht ist vorgedrungen, ...“, sowie Prosawerke, u. a. den 1937 erschienenen Roman „Der Vater“ über den preußischen König Friedrich-Wilhelm I, den Vater Friedrichs des Großen. In „Der Vater“ schildert Klepper den König, der den Beinamen „Soldatenkönig“ erhielt, als Herrscher, der beeinflusst durch den Pietismus versucht, in der Verantwortung vor Gott zum
Wohle seines Volkes zu regieren und zu dienen sowie Kriege zu vermeiden. Der Soldatenkönig war für ihn ein Gegenbild zu Adolf Hitler, der nicht nur die Soldaten, sondern alle Menschen einschließlich der Deutschen nur als „Menschenmaterial“ als „Kanonenfutter“ behandelte.

Den Artikel können Sie hier herunterladen.

Red.

Sächsisches Zeitzeugenarchiv

Das von Ira und Prof. Dr. Winfried Schirotzek gemeinsam mit Mario Morgner aufgebaute und auf der Internetplattform

zeitzeugenberichte.vertriebene-in-sachsen.de

veröffentlichte "Sächsische Zeitzeugenarchiv" enthält Zeitzeugenberichte von Vertriebenen und Spätaussiedlern, die in Sachsen Aufnahme gefunden haben, sowie Begleitmaterialien. Nach einer Registrierung sind folgende Materialien zugänglich:

  • Zeitzeugenberichte
  • Interviews (Audio / Video)
  • Transkripte
  • Fotografien und Dokumente
  • Weiterführende Informationen

Unterschiedliche Rechercheoptionen (Personen, Meta-Daten und Volltextsuche) erlauben den gezielten Zugriff auf Dokumente. Lehrerinnen und Lehrer, Studentinnen und Studenten, Forscherinnen und Forscher, aber auch Schülerinnen und Schüler können die Dokumente nach Gruppen, Orten oder konkreten Erfahrungen durchsuchen und die Rechercheergebnisse online ansehen. Über Volltextsuche, Inhaltsverzeichnisse, Kartensuche und Register ist ein gezielter thematischer Zugriff auf einzelne Gebiete möglich. Nutzerinnen und Nutzer können ihre Suche in einer Druckansicht sichern und so um eigene Anmerkungen erweitern.

Träger des Projekts

Das Projekt "Zeitzeugenarchiv" ist aus einer Kooperation des "Hauses der Heimat" in Reichenbach mit der Stiftung "Erinnerung, Begegnung, Integration - Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen", dem Verein "Erinnerung und Begegnung e.V. " und dem "Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz e.V. " hervorgegangen.

Förderung

Der Aufbau des Archivs wurde durch das Sächsische Staatsministerium des Innern (SMI) aus Mitteln des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen und bereitgestellten Staatshaushaltes sowie der Stiftung "Erinnerung, Begegnung, Integration - Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen" und der "Stiftung der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien" gefördert.

Beispiel eines Recherche-Aufrufs:
OPR-2003-005b-
OPR-2003-005b
AK_005
„Erinnerungen – Leben und Schicksal einer ostpreußischen Familie“
Leben auf dem Lande/ Essen, derb und fett/ Ringelreihen und Kreisel/ Fest/ Die
ersten Flüchtlinge/ Einmarsch der Russen/ Vaters Verschleppung/ Frau komm/
Tod der Schwestern/ Rückkehr nach Schmolaien/ Die ersten Polen/ Ich verurteile
die Polen nicht/ Verfaulte Kartoffelmiete/ Waldbrand/ Von der Miliz verhaftet/
Vertreibung aus der Heimat/ Neuanfang/ Aktivist der FDJ/ Republikflucht/Reisen
in die DDR/ Tod der Mutter/ Opas 100. Geburtstag/ Eine Beerdigung in der DDR/
Nachwort
Akte einsehen (PDF)

Józef Piłsudski – die Biographie

Unsere Nachbarn Polen, kann man nur verstehen, wenn man die ganze Geschichte des Landes kennt. Die deutschen Vertriebenen der Erlebnis-, aber auch der Bekenntnisgenerationen wissen: Den meisten Deutschen ist genau diese reiche Geschichte kaum bekannt. Mitunter herrscht sogar eine bedenkliche Ahnungslosigkeit. Dementsprechend dünn war bisher das literarische Angebot. Dass dies jetzt anders ist, liegt an Wolfgang Templin, Bürgerrechtler und schon zu DDR-Zeiten mit engsten Kontakten in Polen, später dann für einige Jahre Büroleiter der Heinrich-Böll-Stiftung in Warschau. Nach seinem Buch „Kampf um Polen“ zur Geschichte der Zweiten Republik von 1919 -1939 ist aus seiner Feder nun mit „Revolutionär und Staatsgründer“ die erste deutschsprachige Biografie des Marschalls Józef Piłsudski, zentrale Persönlichkeit des nach dem Ersten Weltkrieg wieder entstandenen Polens, erschienen.

Wer Polen verstehen will, muss sich mit Piłsudski beschäftigen.

Aus kleinadligem, nicht sehr reichem Hause, in Wilna und Umgebung aufgewachsen, erfuhr er den multiethnischen Reichtum seiner Heimat. Eine wichtige Prägung, die ihn zeitlebens von den radikalen Nationalisten unterschied. Er entwickelte sich zum
sozialistischen Revolutionär, agierte aber vor allem als polnischer Patriot. Sieger gegen die Rote Armee beim „Wunder an der Weichsel“ 1920 und später autoritärer Machthaber des Landes, dabei in ständiger Auseinandersetzung mit der nationalistischen Rechten. Zu Deutschland hatte er ein kritisches, aber konstruktives Verhältnis.

Gern erführe man als Leser dieses exzellenten Buches noch ein wenig mehr über den Umgang des Marschalls mit der seinerzeitigen deutschen Minderheit in seinem Land. Vielleicht ein Thema für ein gesondertes Buch.

Wolfgang Templin hat mit seiner Piłsudski-Biografie nicht nur eine wichtige Lücke in der deutschen Literatur zu Polen geschlossen, sondern hat ein faszinierendes, unglaublich spannendes Buch geschrieben. Wer sich für Polen interessiert, wird es
nicht mehr zu Seite legen wollen.

Knut Abraham, MdB
Aus DOD (Deutscher Ostdienst) Nr. 2/2023
Entnommen mit Zustimmung des Herausgebers

Buchdeckel zu Józef Piłsudski – die Biographie

Zum Gedenken an den großen Schlesier, Prof. Dr. theol. Franz Scholz,
Ehrenbürger von Görlitz

Vor 25 Jahren verstarb der große schlesische Theologe, Humanist und Wissenschaftler Prof. Dr. theol. Scholz. Die Stadt Görlitz hatte ihn für seine Verdienste um die seelsorgerische Betreuung seiner katholischen Glaubensgeschwister in beiden Teilen der Stadt und in den Kriegsgefangenenlagern in der Nähe von Görlitz zum Ehrenbürger ernannt. Die Landsmannschaft Schlesien hatte ihn mit dem Schlesierschild ausgezeichnet. Franz Scholz war nicht nur Seelsorger und Humanist, sondern auch als Hochschullehrer eine sehr interessante Persönlichkeit. Einen kurz gefassten Lebenslauf von Wolfgang Liebehenschel können Sie hier herunterladen.

Red.

Die Nobelpreisträgerin Herta Müller wurde am 17. August 70

Herta Müller konnte am 17. August ihren 70. Geburtstag begehen. Nicht nur als Schriftstellerin, sondern als eine jener Angehörigen der deutschen Minderheit in Rumänien, die seit ihrer Schulzeit versuchten, trotz Unterdrückung und Benachteiligung eigene selbstbestimmte Wege zu gehen, hat sie das Leben der Menschen in Rumänien beeinflusst und geprägt. Durch ihre Bücher hat sie weltweiten Einfluss gewonnen. Sie ist eine so bedeutende Persönlichkeit, dass wir den nachfolgenden Artikel
ihres zeitweiligen Weggefährten, Professor Dr. Anton Sterbling, nicht nur zum Herunterladen anbieten, sondern ungekürzt wiedergeben.

Red.

Anton Sterbling (Fürth)

Herta Müller zum 70. Geburtstag

Wer als Deutscher aus Rumänien kommt kennt sie wohl und unter den Landsleuten genießt sie auch sicherlich eine hohe Wertschätzung. Herta Müller, die Literaturnobelpreisträgerin des Jahres 2009, die bei der Verleihung dieses Preises großzügig zugeneigte Worte für ihre Freunde, die ehemaligen Mitglieder der „Aktionsgruppe Banat“, fand, begeht am 17. August 2023 ihren siebzigsten Geburtstag. Sie wurde bekanntlich in Nitzkydorf geboren, besuchte 1968 bis 1972 das Lenau-Lyzeum in Temeswar
und studierte anschließend Germanistik und Rumänistik an der Temeswarer Universität, wobei sie in dieser Zeit oder auch bereits davor Literatur zu schreiben begann und diese Schreibtätigkeit seither intensiv und sehr erfolgreich fortsetzte. Es ist weltweit bereits sehr viel zu ihrem Werk, ihrer Person und ihren vielzähligen Preisen und Ehrungen veröffentlicht worden, so dass ich dem, anlässlich ihres runden Geburtstags, nur wenige eigene Anmerkungen hinzufügen möchte.

Für mich als Sozialwissenschaftler und Schriftsteller mit einem ähnlichen Erfahrungshintergrund wie Herta Müller erscheint zunächst als das Interessanteste und Wichtigste, was sie über die Diktatur geschrieben hat. In ihrer Literatur hat sie überaus eindrucksvoll die Wesenszüge, die Deformationen wie auch die Schwächen solcher Herrschaftssysteme, wie diese nicht zuletzt im nationalkommunistischen Rumänien unter dem Ceauşescu-Regime zu erleben waren, gründlich erschlossen und erkenntnisreich verarbeitet. In einem bereits 2003 verfassten Beitrag versuchte ich zu zeigen, wie sich die in den gängigen Totalitarismustheorien festgehaltenen Merkmale totalitärer Diktaturen sehr trefflich und zugleich bedrückend in den literarischen Ar-
beiten Herta Müllers veranschaulicht finden. Ihre Romane und Reflexionen und insbesondere der Roman „Herztier“, auf den sich meine Analysen damals hauptsächlich bezogen, lehren uns zu sehen und zu verstehen, dass eine Diktatur nicht nur ein wohl durchdachtes und durchorganisiertes Herrschaftssystem, sondern mehr noch die Summe vieler einzelner kleiner Dinge ist, die in nahezu sämtliche Winkel des alltäglichen Lebens und Denkens der Menschen zumeist zerstörerisch hinein reichen. Die Diktatur ist auch und vielleicht vor allem ein „Zustand in den Köpfen“, wiewohl natürlich ebenso eine rigide, durch Gewalt gestützte äußere Kontrolle des Verhaltens der Menschen dazu gehört. Erst die ständige Präsenz und die willkürliche Androhung von Gewalt bewirken psychische Verletzungen und führen Dispositionen und Zustände herbei, wie sie in Diktaturen typisch sind, wobei solche Herrschaftsordnungen natürlich auch über eigene „Anreiz- und Belohnungssysteme“ verfügen, wie Herta Müller etwa am Beispiel sozialer Aufsteiger oder abgestufter Privilegien der Kreise der der ideologischen Herrschaft Zugeneigten zeigte. Schließlich ist die Diktatur auch ein Kampf gegen die Denkenden, gegen die Intellektuellen, die Intellektuelle sind und nur bleiben können, wenn sie nicht den Bestrebungen der Diktatur willig und gefügig werden und damit eine Karikatur ihrer selbst.

Dies ist nicht ganz einfach und fordert nicht selten eine mutige Haltung. Im Sinne der Ausführungen Herta Müllers kann man synoptisch befinden: Die Diktatur erreicht dann ihren gesellschaftlichen Zielzustand – und darauf arbeitet sie wohl auch unentwegt hin –, wenn in den Köpfen aller ständig „der gleiche Film abläuft“. Das heißt, alle Denkalternativen müssen möglichst gekappt, alles Nichtgefügige muss eliminiert, alle auffälligen Abweichungen des Denkens und des Verhaltens müssen unverzüglich und
konsequent unterdrückt werden. Dies geschieht nicht zuletzt durch die Schließung des Weltbildes, durch die Durchsetzung einer alleingültigen Ideologie, die sich durch Allgegenwärtigkeit unhinterfragbar macht und sich gegen jedes kritische Denken, eigentlich gegen jedes Denken überhaupt, immunisiert und abschirmt. Eine solche Ideologie ist dann erfolgreich durchgesetzt, wenn sie selbst das Denken ihrer Gegner noch an ihre Grundvorstellungen, Selbstverständlichkeiten und Leitprinzipien bindet.

Das lehrt uns die Literatur Herta Müllers und dies vermittelt uns zugleich ein sensibles Wahrnehmungsinstrumentarium, mit dem die Tücken und Herausforderungen ideologischer Gefahren in jeder Gesellschaft früh zu erkennen sind.

Von ähnlicher Bedeutung und wahrscheinlich noch größerer Reichweite wie die literarischen Arbeiten zu dem Themenkreis der totalitären Diktatur ist sicherlich auch Herta Müllers Roman „Atemschaukel“, der die Verleihung des Literaturnobelpreises an sie bekanntlich mitbegründete. In diesem Werk findet sich in eindrucksvoller literarischer Verarbeitung und zugleich mit außergewöhnlicher sprachlicher Sensibilität das kollektive Trauma der bürokratisch geplanten und durchorganisierten Massendeportation der
Deutschen aus Rumänien und aus anderen Ländern des sowjetischen Einflussgebietes am Ende des Zweiten Weltkrieges verdichtet. Also die bedrückenden Erfahrungen der Zwangsarbeit unter einem inhumanen Lagerregime, mit strengen, gewaltgestützten Regelungen, Zwängen, Kontrollen, Demütigungen, Schikanen und Repressionen, unter oft rudimentären Unterbringungs-, Hygiene- und Lebensbedingungen, bei im Winter eisiger Kälte, häufiger Krankheit, nahezu ständigem Hunger, körperlicher Schwäche, Gebrechlichkeit und vielfach eingetretenem Tod literarisch dargestellt. Dies sollte auch und gerade in unserer Zeit eine sehr eindringliche Erinnerung und Mahnung, angesichts des brutalen Überfalls der Ukraine durch Russland und den dabei erfolgten und bekannt geworden Gräueltaten sein, sind die Orte der Deportation der Deutschen aus Rumänien doch vielfach identisch oder räumlich sehr nahe denen der heutigen Kampfhandlungen gelegen.

Zum Schluss möchte ich einen anderen Punkt doch nicht ganz unerwähnt lassen. Leider ist es so, dass das durch die kommunistische Diktatur und die Securitate auch und gerade unter den Deutschen in Rumänien hinterhältig verbreitete Gift der Bespitzelungen, Intrigen, Verleumdungen usw. wegen der moralischen Skrupellosigkeit oder vielleicht auch nur der unbelehrbaren Dummheit, Blindheit oder Befangenheit einiger in die Irre geleiteter Helfer und Helfershelfer der Securitate zerstörerisch, verletzend und schmerzhaft weiter wirkt. Ich weiß, Herta Müller leidet immer noch unter diesen anhaltenden, boshaften und irrationalen Verleumdungen einer kleinen unbelehrbaren Minderheit aus dem Kreis ihrer Landsleute. Sie hat gewiss anderes verdient. Nicht nur angesichts ihres runden Geburtstags möchte ich ihr daher auch im Namen unzähliger Landsleute versichern, dass wir ihr für ihre einmalig eindringliche Literatur sehr dankbar sind, dass wir ihre unverwechselbare Schreibweise und ihre unbeugsame moralische Haltung, selbst wenn wir in Einzelheiten auch andere weltanschauliche Standpunkte und Ansichten vertreten mögen, schätzen und dass wir natürlich auch stolz auf sie sind.

Anton Sterbling

Rezension:

„Friedrich Sadebeck - Ein schlesischer Baumwollspinner“ von Brigitte Weiß-Kobayashi

Im Frühjahr 2023 ist im Laumann-Verlag ein „Historisches Sachbuch als Roman“ von der Münchner Autorin erschienen, die in der Hinterlassenschaft ihres Großvaters, der 1946 Breslau verlassen hatte, zahlreiche Dokumente früherer Vorfahren aus dem
schlesischen Reichenbach, dem heutigen polnischen Dzierzoniow gefunden hat.

Das Buchcover betrachtend, fällt einem zuerst der hervorgehobene Titel-Nachsatz „Ein schlesischer Baumwollspinner“ auf, der unmittelbar vermuten lässt, es handele sich um eine spezielle schlesische Insektenart. Die daneben abgebildeten Baumwollblü-
ten verstärken diese Vermutung, aber damit wird nur auf den Hintergrund der schlesischen Woll- und Baumwollspinnerei verwiesen. Schon nach wenigen Zeilen der sehr empfehlenswerten Lektüre von reichlich 200 Seiten mit zahlreichen interessanten
Abbildungen weiß der Leser, dass es sich um einen schlesischen Unternehmer mit Weitsicht und klugem sozialen Engagement gehandelt hat.

In einer herrlich frischen Sprache und in schnörkellosem Stil schildert dieser, Friedrich Sadebeck, als Ich-Erzähler sein Leben, unterbrochen von erklärenden Einschüben und Berichten der Autorin. Man kann sehr plastisch den Aufstieg des Sohnes eines einfachen Weißgerbers nachvollziehen und an den Ereignissen in den Jahren des Erfolges, in der er zu den bedeutenden Persönlichkeiten Reichenbachs gehörte, teilnehmen. Die Geschichte der Eingliederung Schlesiens in den preußischen Staat sowie die
wirtschaftliche Situation zu den Lebzeiten Friedrich Sadebecks, dem mit diesem Buch ein würdiges Denkmal gesetzt wurde, werden deutlich. Es ist vor allem die Zeit vor, während und nach der napoleonischen Herrschaft in Preußen, die mit der Kontinentalsperre, aber auch der technischen Entwicklung der Textilindustrie untrennbar verbunden ist. Alles das hatte persönliche Konsequenzen für Friedrich Sadebeck, der als Unternehmer Weitblick bewies, jedoch durch die Herrschaftsstrukturen
und die Kurzsichtigkeit der Obrigkeit ausgebremst wurde, den vielleicht auch der eigene Stolz daran hinderte, sich durch Anpassung Gehör zu verschaffen.

Alles in Allem ein gelungenes Werk mit viel Sachkunde und Gefühl geschrieben. Manchmal wünschte sich der Leser mehr Zusatzinformationen und dass manche bedeutenden Ereignisse deutlicher und auch exakter benannt worden wären. Das betrifft zum Beispiel das Ende des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ mit der Niederlegung der Kaiserwürde am 6. August 1806 und dem Ultimatum Preußens vom 26. August 1806, dem bald darauf der Krieg und am 13. und 14. Oktober die
Schlacht bei Jena und Auerstädt folgte. Insofern ist Friedrich Sadebecks Erinnerung nicht ganz richtig, wenn er am 24. Oktober 1806 zu seinem 65. Geburtstag feststellte, dass sich an diesem Tag Preußen auf den Krieg mit Napoleon vorbereitete. Dieser Krieg war an jenem Tag längst verloren. Doch nicht der Gang der „Großen Geschichte“ mit ihren Daten, sondern der Kampf und das Leben mit den tragischen Ereignissen in der Familie stehen im Mittelpunkt der Erzählungen. Wie am Beispiel der Pocken-
Impfungen dargestellt, gab es in Schlesien damals Verhältnisse und Verhaltensweisen, die durchaus auch mit solchen in der Gegenwart der Bundesrepublik vergleichbar sind und vielleicht Lehren für uns beinhalten.

Der Preis des Buches 22,- € ist sicherlich nicht nur für an schlesischer Geschichte interessierte, sondern auch für einen breiten Leserkreis gut angelegtes Geld.

Roland B. Müller
23.03.2023

»Ostpreußische Erinnerungsstücke«

Die Stiftung „Erinnerung, Begegnung, Integration“ lädt Sie herzlich ein, die Ausstellung »Ostpreußische Erinnerungsstücke« in den Räumen der Bildungs- und Begegnungsstätte Transferraum Heimat zu besichtigen.

Gezeigt werden ostpreußische Exponate, die durch Erwerb oder Schenkung in den Bestand der Stiftung Erinnerung, Begegnung, Integration übergegangen sind oder ihr als Leihgaben zur Verfügung gestellt wurden. Die Präsentation umfasst historische Dokumente (u.a. Urkunden mit den Unterschriften zweier preußischer Könige), belletristische Literatur, Fachbücher und Bildwerke, aber auch Gegenstände des täglichen Lebens.

Die Exponate wurden über viele Jahre von verschiedenen Interessenten zusammengetragen. Sie sind der „Nachlass“ einer untergegangenen deutschen Provinz, gleichsam „Strandgut“, das den „deutschen Schiffbruch“ im Zweiten Weltkrieg überdauert hat.
Der unschätzbare Wert der Stücke erwächst aus der Geschichte, die einer Tasse, einem Krug, einer Fotografie, einem Ausweisdokument, einem Koffer oder einem auf der Flucht aus Ostpreußen getragenen Mantel anhaftet ...

Ort: Transferraum Heimat, Werminghoffstraße 11, 02977 Hoyerswerda/OT Knappenrode

Besucher werden gebeten, einen Besuchstermin vorab unter der Tel: 03571/605187 zu vereinbaren.

Red.

Karolina Kuszyk: In den Häusern der Anderen. Spuren deutscher Vergangenheit in Westpolen. Aus dem Polnischen von Bernhard Hartmann. Ch. Links Verlag Berlin 2022, 395 S.

Gelesen von Wolfgang Nicht

Die Lektüre erinnerte mich an meine ersten Reisen 1964/65 nach Polen. In Posen wunderte ich mich, dass in dem Haus meines Freundes an den Wohnungstüren noch die Messingschilder mit der Aufschrift BRIEFE zu sehen waren. Die deutschen Aufschriften störten die Polen offensichtlich nicht. Und als ich mit meinen Eltern das Heimathaus meines Vaters in der Nähe von Zawidów (Seidenberg) besuchte, erinnerte sich meine Mutter in ihrem Tagebuch genau daran, welche Möbel und Einrichtungsteile in welcher Weise damals von ihrer Schwägerin genutzt worden waren.

Durch den nahezu völlige Bevölkerungsaustausch in Schlesien, Pommern, Ostpreußen und dem Posener Gebiet wurden Menschen aus dem ehemaligen Ostpolen, jetzt sowjetisch annektiert, in die west- und nordpolnischen Gebiete umgesiedelt. Den zwangsweise Umgesiedelten versuchte man einzureden, dass sie in „die wiedergewonnenen Gebiete“ kommen.

2002 hat Gregor Thum in dem viel beachteten Buch „Die fremde Stadt. Breslau 1945“ die Transformation einer deutschen in eine polnische Stadt am konkreten Beispiel beschrieben. Ihm ging es um die großen Prozesse, die ab 1945 hier abliefen, wie eine Stadt umgestaltet wird, welche rechtliche und administrative Basis der polnische Staat dafür schuf. Thum geht durch die Straßen, sieht Häuser und Haustüren. Karolina Kuszyk aber öffnet diese Haustüren, geht in die Wohnungen, in Stuben und Küchen, hört den Leuten zu. Sie greift dabei auch auf ein Forschungsarchiv des Institut Zachodni (Westinstitut) Posen mit persönlichen Berichten der ersten polnischen Siedler nach 1945 und diverse andere Dokumentationen zurück.

Den polnischen Titel des Buches PONIEMIECKIE könnte man mit Das Nachdeutsche übersetzen. In den Kapiteln Häuser, Plündern, Möbel ist diese Bewegung von außen nach innen schon vorgezeichnet, bis dann das umfangreichste Kapitel Dinge folgt. Die Hausfrauen, die fast ohne Habe 1945/46 in Schlesien und anderswo ankamen, mussten sich einrichten und einen neuen Hausstand organisieren. So kamen ehemals deutsche Tische, Teller, Töpfe wieder in Gebrauch. Und darunter konnte auch mal ein Teller mit einem Hakenkreuz auf der Unterseite oder ein Gefäß mit einer unbekannten Aufschrift sein.

In diesem Kapitel gibt es auch einige Exzerpte, z. B. über die Schutzengelbilder, die seinerzeit bei den Deutschen sehr beliebt waren und die als religiöses Bild gern übernommen wurden. Selbst die Einweckgläser, für viele Polen eine unbekannte Art der Konservierung von Gartenfrüchten, sind der Autorin interessante Überlegungen wert. Sie geht auch auf die Friedhöfe, ein für die Vertriebenen besonders emotionales Thema: Anfangs wurden sie von den Polen nicht beachtet und später in vielen Dörfern und Kleinstädten als eigene Friedhöfe genutzt. Und heute gibt es zahlreiche polnische Initiativen, die sich um den Erhalt und die würdevolle Gestaltung der alten Friedhöfe – egal ob evangelisch, katholisch, jüdisch oder kommunal – bemühen.
Der Stadt Liegnitz wird ein eigenes Kapitel gewidmet, ist dies doch der Heimatort der Autorin. Hier wird der Wandel des Umganges mit dem Nachdeutschen in Westpolen gut nachgezeichnet. Sie zeigt die Arbeit der stadtgeschichtlichen Stiftung „legnica.pl“ wie auch die Sammlung in der Liegnitzer Heimatstube in Wuppertal.

Die Empathie der Autorin gilt den deutschen Vertriebenen ebenso wie den die polnischen Vertriebenen und Neusiedler. Deshalb macht das Buch all denen Mut, die sich für ein herzliches Verhältnis unserer Völker engagieren.

Wunden die nicht verheilen

„Die Kindergeneration der Vertriebenen, Flüchtlinge und Aussiedler“

Vortrag von Prof. Dr. Anton Sterbling, Mitglied im Kuratorium der Stiftung „Erinnerung, Begegnung,
Integration – Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen

In Gesprächen mit Betreuern von Flüchtlingen aus der Ukraine hört man immer wieder die leider falsche Annahme, kleine Kinder oder Nachgeborene von Familien, die schweres durchgemacht haben, etwa einen Bombenangriff mit Toten und Verletzten und eine danach folgende dramatische Flucht könnten das alles vergessen, wenn sie gut aufgenommen und gut behandelt werden.

Leider ist diese Annahme falsch. Schwere traumatische Leiderfahrungen prägen sich über Generationen in den sozialen Verhaltensweisen der Eltern aus und können so auf die Kinder und Enkelkinder tradiert werden. Selbst das Erbgut der Mütter wird beeinflusst.

Aus sozialwissenschaftlicher Sicht hatte vor einigen Jahren Prof. Dr. Anton Sterbling einen Vortrag vor dem Verein „Erinnerung und Begegnung e.V.“ (EuB) gehalten. Der Vortrag war auf außerordentlich großes Interesse gestoßen. Daher veröffentlichen wir einen grundlegenden ungekürzten Aufsatz von Prof. Dr. Sterbling zu diesem Thema hier.

Von rechts nach links: Prof. Dr. Anton Sterbling (Referent), Peter Bien (Diskussionsleiter)

Red.

Christiane Hoffmann

Zu Fuß auf dem Fluchtweg meines Vaters - Alles was wir nicht erinnern (Beck-Verlag)

Wer nach dem erfolgreichen Abschluss eines wissenschaftlichen Studiums bereits mit Ende 20 für die Frankfurter Allgemeine sowie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung schreiben darf und danach in die Leitung des Hauptstadtbüros des Spiegels aufgerückt, muss nicht nur gut schreiben können, sondern auch fachlich sehr gut sein. Wer zusätzlich journalistische Erfahrungen aus Moskau und Teheran vorweisen kann, gehört zweifellos zu besten seines Berufsstandes.

Die stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung, Frau Christiane Hoffmann, verfügt über diese Voraussetzungen. Normalerweise haben Leute wie sie, keine Zeit für die Familie, noch weniger für das Schicksal der Familien der Eltern. Christiane Hoffmann hat beides. Sie hat mit ihrem Ehemann zwei Töchter großgezogen und engen Kontakt zu ihren Eltern, insbesondere der aus Schlesien stammenden Familie ihres Vaters, gehalten. Nach dem Tod ihres Vaters hat sie sich im Alter von 53 Jahren, am 22. Januar 2020, aufgemacht, um den Weg zu gehen, den ihre Großmutter mit ihrem damals 9-jährigen Vater bei der Flucht genommen hat. Darüber hat sie ein Buch geschrieben. Sie beschreibt aber nicht nur den Fluchtweg ihrer Großmutter mit dem Vater, sondern setzt sich auch mit der Bewältigung des Heimatsverlustes ihrer Elterngeneration auseinander. Dabei spielen verschiedene Besuche in dem Heimatdorf ihrer Familie, in dem nun Polen leben, eine Rolle.

Das Buch ist für alle, die unter dem Trauma von Flucht und Vertreibung bleiben ungeheuer lesenswert.

Diejenigen, die für die Vertriebenen bisher kein Verständnis aufgebracht haben, werden nach der Lektüre des Buches die Menschen, die noch immer unter dem Verlust der Heimat bzw. der Heimat ihrer Vorfahren leiden, besser verstehen als nach der Lektüre eines Jahresabos einer Heimatzeitung.

Es ist erstaunlich, vielleicht sogar beschämend, dass bisher kein Mitarbeiter aus den Vertriebenenorganisationen etwas ähnliches veröffentlicht hat.

Die Autorin wurde für das Amt der stellvertretenden Regierungssprecherin von den Grünen vorgeschlagen.

Das Buch über den Fluchtweg ihrer Großmutter sollten viele Mitglieder dieser Partei lesen. Vielleicht verbessert sich dann ihr Verhältnis zu den Vertriebenenverbänden.

Eine ausführlichere Rezension von Dr. Jörg Bernhard Bilke im Deutschen Ostdienst (DOD), dem Nachrichtenmagazin des BdV, können Sie hier herunterladen und lesen.

Red.

Klang der Heimat

Den Mundarten im östlichen Europa gelauscht

Unter diesem Titel hat die Stiftung „Erinnerung, Begegnung, Integration – Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen“ in Zusammenarbeit mit dem „Zentrum für Kultur und Geschichte e.V.“ ein Buch herausgegeben, dass mundartliche Kostproben aus 16 Heimatgebieten der deutschen Aussiedler, Spätaussiedler und Vertriebenen enthält.

Sicherlich wird nicht jeder Besucher dieser Internetseite sich für alle 16 Mundarten interessieren, aber vor jedem mundartlichen Beispiel gibt es einen ausführlichen Vorspann über die Sprache und Kultur des jeweiligen Heimatgebietes. Dieser Vorspann macht das Buch quasi zu einem kleinen Nachschlagewerk über die Heimatgebiete der Deutschen im Osten.

Autoren sind Dr. Lars-Arne Dannenberg und Dr. Matthias Donath, die bereits mit einer ganzen Reihe von Publikationen zu Themen der Aussiedler, Spätaussiedler und Vertriebenen hervorgetreten sind. Andreas Neumann-Nochten hat das Buch illustriert. Es kann zum Preis von 15 € im Buchhandel unter der ISBN 978-3- 944104-57-7 oder direkt beim Via-Regia-Verlag Königsbrück, Am Kunathsberg 28, 01936 Königsbrück, Mailanschrift: „info@via-regia-verlag.de“ oder über die Internetseite „www.via-regia-verlag.de“ bestellt werden. Bei der Bestellung beim Verlag fallen zusätzlich die Portokosten an.

Red.

Schlesier prägten mit ihren Bauten das Bild Deutschlands

Wer einen ausländischen Freund fragt, welche bedeutenden deutschen Gebäude er kennt, dem werden mit Sicherheit fast ausschließlich Gebäude benannt, die Werke schlesischer Baumeister bzw. Architekten sind. Hierzu gehören der Berliner Dom (Raschdorff), Schloss Sanssouci (von Knobelsdorff), das Brandenburger Tor (Langhans), die Friedenskirche in Schweidnitz, die größte Fachwerkkirche der Welt, (von Saebisch). Mit dem Bau des Kölner Doms wurde zwar bereits im Mittelalter begonnen, aber die Vollendung blieb einem schlesischen Baumeister (Zwirner) vorbehalten. Nur der Reichstag, den auch die meisten Ausländer kennen, wurde von keinem Schlesier, sondern dem Rheinländer Paul Wallot gebaut.

Der Baumeister des Berliner Domes, Julius Carl Raschtorff, wurde am 2. Juli vor 200 Jahren in Pless/Oberschlesien geboren. Der Berliner Dom war nicht sein einziges bedeutendes Bauwerk. Seine Arbeiten brachten ihm viele Ehrungen im In- und Ausland ein. U. a. wurde er 1886 Ehrenmitglied des polytechnischen Instituts in Rio de Janeiro. Wolfgang Liebehenschel, leitender Baudirektor a.D., hat über Julius Carl Raschtorf eine Würdigung geschrieben, die Sie hier herunterladen und lesen können.

Red.

Fahrt in die alte Heimat

Mein Vater Kurt Nicht verließ 1935 seinen niederschlesischen Heimat- und Geburtstort Wilka bei Seidenberg, um in der Niederlausitz die Tischlerstochter Hildegard zu heiraten.

Im Sommer 1964 gab es erstmals die Möglichkeit für Privatreisen aus der DDR nach Polen. (Zuvor gab es nur Gruppenreise zu ausgesuchten touristischen Zielen wie Warschau, Krakau und die Tatra.)

Man buchte beim Reisebüro der DDR ein vorgegebenes Hotel für eine dreitägige Reise im eigenen PKW. Die Visa-Angelegenheiten erledigte das Reisebüro; die Reise wurde vorab in DDR-Mark bezahlt. So waren meine Eltern Kurt und Hildegard mit den Söhnen Joachim und Wolfgang im Herbst 1964 unterwegs. Über diese Reise gibt ein Tagebuch meiner Mutti.

Den kompletten Artikel können Sie hier nachlesen.

Der Willkür gelassen begegnet: Lebensgeschichte von Jakob Martens neu herausgegeben

Joachim Baadte, Rheinpfalz Kaiserslautern

„Am Ende die Freiheit“ lautet der Titel der Neuerscheinung über die Lebensgeschichte von Jakob Martens. Berthold Kliewer, ehemaliger Leiter des Klassischen Chores der TU Kaiserslautern, hat die Aufzeichnungen seines Onkels jetzt herausgegeben. Ergänzt durch Fotos, Karten und die Darstellung der Zeitumstände ist etwas Lesenswertes entstanden.

Herausgerissen aus der wohlbehüteten Welt einer deutsch-mennonitischen Siedlung in der Ukraine, tritt Martens eine abenteuerliche Flucht an. Die deutschfeindliche Stimmung im Ersten Weltkrieg und die Verfolgung wohlhabender Bauernfamilien im
revolutionären Russland ziehen ihn in einen Strudel willkürlicher Hetzjagd. Er lässt sich in bewundernswerter Weise von den Gefängnissen und Arbeitslagern der entstehenden Sowjetunion nicht unterkriegen. Nach Jahren willkürlicher Drangsalierung in Russland schafft er den Sprung in die südamerikanische Freiheit.

Der 1897 geborene Martens erzählt seinen Lebensweg selbst. Der lakonische Grundton nimmt den Leser unwillkürlich gefangen, weil der von den Zumutungen der Zeitumstände für ihn persönlich nicht viel Aufhebens macht. Er beobachtet sehr
genau und berichtet mit äußerster Sachlichkeit. Dabei wird schnell klar, dass seine Sichtweise durch und durch geprägt ist von den Grundsätzen mennonitischer Lebensauffassung. Deutlich wird dies immer wieder durch die innige Freude an dem
Leben in dieser Gemeinschaft und ihren Festtagen. Eine alles überragende Bedeutung kommt dabei im Denken und Fühlen seinem Verhältnis zur Arbeit zu.

Mit festem Glauben und ohne Zweifel am harten Alltag

Der Grund für die wachsende Sympathie beim Lesen liegt vor allem darin, dass er seine Glaubens- und Lebenseinstellung nicht wie eine Monstranz vor sich herträgt.

Seine Beobachtungen und Formulierungen transportieren wie selbstverständlich sein Lebens- und Arbeitsethos. „Wir sind in der Erntezeit 1915. Mit anbrechender Morgenröte müssen wir bereits aus den Federn und dann geht es bis in den späten
Abend. Es gilt, die Ernte, die gut ausgefallen ist, bei günstigem Wetter einzubringen.

Zum Schlafen bleibt dann freilich wenig Zeit. Und so geht es eine Woche um die andere. (...)“ Die Zumutungen und die Mühen des Alltags sind hier sehr präsent.

Aber in sprachlicher Hinsicht wird auch deutlich, dass dem Erzähler nicht der geringste Zweifel in den Sinn kommt. Und selbstverständlich liegt die mentale Stärke Martens’ begründet in seinem mennonitischen Weltbild. Aber ist es zu weit hergeholt, sich diese Einstellung auch in der heutigen Krisenzeit zum Vorbild zu nehmen? Dabei kommt es nicht in erster Linie darauf an, ob der Glaube zu einer psychischen Stabilität verhilft. Auch die Zuversicht, dass zusammen mit fleißigen und vernünftigen Mitbürgern der Weg aus der Talsohle gelingen kann, hilft schon.

Vorbild für den Leser von heute, um schwere Zeiten zu überstehen

Jakob Martens ist ein bemerkenswert gelassener Mensch. Die Stationen des langen Leidensweges von der Verbannung aus der landwirtschaftlich geprägten Heimat bis hin zu Haft und Arbeitslager im jungen Sowjetstaat beschreibt er so sachlich, dass
der Text fast zum historisch verwertbaren Bericht wird. Er erfährt am eigenen Leib, was Klassenkampf heißt, der zur Befreiung aller Werktätigen führen soll. Als Kulak, als erfolgreich wirtschaftender Landwirt, wird er zum Klassenfeind. Es ist gut zu
verstehen, dass er für jegliche ideologische Verbrämung von Unrecht lediglich seine spezielle Art von Humor übrig hat „Die Tage der großen Oktoberrevolution jähren sich wieder. Auch wir Verbannten müssen mitfeiern. Eisiger Wind aus dem Polargebiet dringt durch alle Poren. Der Redner spricht von den großen Errungenschaften der Oktoberrevolution. Zu unserem Trost erfahren wir, was wir bisher noch nicht wussten. Man hat uns nicht zur Strafe an diesen öden Ort gebracht, sondern zwecks Umerziehung zur klassenlosen Gesellschaft. Moralisch gestärkt kehren wir heilfroh in unsere Zelle zurück.“ Mit dieser Contenance übersteht Martens seinen völlig unverschuldeten Leidensweg und schafft es in ein selbstbestimmtes Leben. Der heutige Leser kann ihn sich als Vorbild nehmen, um in schweren Zeiten nicht den Mut zu verlieren.

Das Buch kann über den Kliewer-Verlag bezogen werden.

Per Mail: info@kliewer-verlag.de oder
Telefonisch: 0631 5 34 96 87

Ab Januar soll es auch über den Buchhandel beziehbar sein.

Subskriptionspreis bis 31.01.2023 ist 19,80 € plus evtl. Versand

Ab 01.02.2023 kostet es 24,80 € plus evtl. Versand.

In Memoriam Michael Gorbatschow

Er war mein Gast

Durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine wird in tragischer Weise deutlich, dass Michael Gorbatschow unter den wichtigsten Politikern dieser Welt eine große Ausnahme war. Ich hatte Gelegenheit, ihn einmal persönlich kennen zu lernen. Meine Erinnerung an Michael Gorbatschow und meine Begegnung mit ihm können Sie hier herunterladen.

Friedrich Zempel

Prof. Dr. Lew Kopelew, russischer Dissident; Reinhold Frie, Eigentümer des Hotels Klosterpforte; Michael Gorbatschow
Prof. Dr. Lew Kopelew, russischer Dissident; Reinhold Frie, Eigentümer des Hotels Klosterpforte; Michael Gorbatschow

Erinnerung an den schlesischen Nobelpreisträger Hans-Georg Dehmelt aus Görlitz der vor 100 Jahren geboren wurde

Keine andere deutsche Region hatte bis zum Kriegsende mehr Nobelpreisträger hervorgebracht als Schlesien. Der 12. schlesische Nobelpreisträger, Hans-Georg Dehmelt, wurde vor 100 Jahren in Görlitz geboren. Sein Studium der Physik hatte er noch an der Breslauer Friedrich-Wilhelms-Universität beginnen können. Nach dem Krieg musste er es in Göttingen fortsetzen. Zu seinen Lehrern gehörten mehrere der damals bedeutendsten Physiker weltweit - unter ihnen mit Werner Heisenberg, Max von Laue und Max Planck 3 Nobelpreisträger. Die Leistungen seiner Lehrer waren für ihn ein Ansporn. 1989 wurde er selbst mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Der Görlitzer Wolfgang Liebehenschel hat in einem Beitrag seinen Lebensweg für unsere Internetseite nachgezeichnet. Sie finden seinen Artikel hier.

Red.

Auszeichnung für den verdienten ungarndeutschen Prof. Dr. Heinrich Oppermann

Prof. Dr. Heinrich Oppermann aus Dresden, Mitglied der Landsmannschaft der Deutschen aus Ungarn, ist vom Präsidium des BdV unter seinem Vorsitzenden Prof. Dr. Bernd Fabritius die Goldene Ehrennadel des BdV zuerkannt worden. Im Rahmen einer Vortragsveranstaltung mit Prof. Dr. Anton Sterbling am 8. Oktober 2022 wurde die Auszeichnung vom Vorsitzenden des Vereins Erinnerung und Begegnung e. V., Friedrich Zempel, übergeben.

Heinrich Oppermann wurde 1934 im südungarischen Dorf Kaposszekcsö (Sektschi) geboren und 1948 mit seiner Familie nach Sachsen vertrieben. Nachdem er in Dresden Chemie studiert hatte, startete er eine beeindruckende wissenschaftliche Karriere. Trotz politisch bedingter Einschränkungen gehörte er zu den Großen seines Fachgebietes, der Anorganischen Chemie. Ein Höhepunkt seines Wirkens war die Vorbereitung von Experimenten für den ersten Deutschen im Weltall, den Kosmonauten Sigmund Jähn.

Seit seiner Emeritierung befasst sich Heinrich Oppermann intensiv mit der Geschichte und den Traditionen der Ungarndeutschen. Er hat neben hunderten Zeitungsbeiträgen etliche Bücher über seine Heimat veröffentlicht, so u. a. „Die Enkel der Donauschwaben“, „Erinnerungsgarten“, „János und sein Hund: zwei Helden“ und „Jergescher Geschichten: Vertreibung aus dem Paradies“.

Gemeinsam mit dem früheren Bundestagsabgeordneten Klaus Brähmig hat sich Heinrich Oppermann dafür eingesetzt, einen Erinnerungsort für die vertriebenen Ungarndeutschen zu schaffen – mit Erfolg. Im Jahr 2017 konnte vor der „Grauen Kaserne“ in Pirna eine Gedenktafel für die Vertriebenen aus Ungarn eingeweiht werden.

Peter Bien

Einen Artikel aus dem „Deutschen Ostdienst – DOD“ über Prof. Dr. Heinrich Oppermann können Sie hier herunterladen.

Von der Schülerzeitung zum Nobelpreis

Die Aktionsgruppe Banat

Die „Aktionsgruppe Banat“, hervorgegangen aus einem Schülerzirkel am Lyzeum in Sannicolau/Groß-Sanktnikolaus (Rumänien), ist in der Literaturgeschichte zweifellos einmalig.

Neun Gymnasiasten bzw. Studenten der ersten Semester bildeten 1972 eine Autorengruppe, die jenseits staatlicher Zwänge unabhängig literarisch tätig sein wollte. Zu ihnen gehörten in alphabetischer Reihenfolge Albert Bohn, Rolf Bossert, Werner Kremm, Johann Lippet, Gerhard Ortinau, Anton Sterbling, William Totok, Richard Wagner und Ernst Wichner. Die Gruppe stand in Kontakt mit der gleichaltrigen Herta Müller, die 2009 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde.

Kein anderer Schülerzirkel hat jemals so viele bedeutende Literaten hervorgebracht wie die Aktionsgruppe Banat. In diesem Jahr konnte der Gründung vor 50 Jahren gedacht werden. Einen Beitrag über das Treffen der früheren Mitglieder im Heiligenhof in Bad Kissingen können Sie hier herunterladen.

Red.

Wer die Stones hört, braucht keine Polka

Die FAZ erinnert an die Aktionsgruppe Banat

Das Jubiläum der Aktionsgruppe Banat hat auch in der FAZ ihren Niederschlag gefunden. Unter der Überschrift „Wer die Stones hört, braucht keine Polka“ erinnerte Markus Bauer in der FAZ an die Schülergruppe. Hier können Sie den Artikel lesen.

Red.

An die Kindergeneration der Vertriebenen und Aussiedler – Ein Appell

Vor wenigen Wochen hat Prof. Dr. Anton Sterbling, Mitglied im Kuratorium der Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen, in Dresden einen Vortrag über die Kindergeneration der Vertriebenen und Aussiedler gehalten. Im Anschluss an den Vortrag hat er unter Einbeziehung der intensiven Diskussion bei der Vortragsveranstaltung seine Gedanken zu Papier gebracht. Sie beziehen sich in erster Linie auf das Banat, lassen sich aber weitgehend auf alle Heimat- bzw.
Herkunftsgebiete der Vertriebenen und Aussiedler übertragen.

Den Aufsatz von Prof. Dr. Sterbling können Sie hier herunterladen

Red.

Der schlesische Maler Arno Henschel aus Görlitz unangepasst an künstlerischen und politischen Zeitgeist

Die Schaffenszeit von Arno Henschel lag zwischen den beiden Weltkriegen. Es war eine Zeit, in der man sich als Künstler in doppelter Hinsicht bekennen musste – künstlerisch und politisch. Vor einiger Zeit hatten wir auf dieser Seite das Buch
„Jeder schreibt für sich allein – Schriftsteller im Nationalsozialismus“ von Anatol Regnier besprochen, in dem sich der Autor aufgrund umfangreicher Recherchen mit der Anpassung der Literaten an den Nationalsozialismus befasst. In einem – leider
bisher noch nicht geschriebenen – Buch über die Maler im NS-Staat würde Arno Henschel als positives Beispiel Erwähnung finden. Unser Autor Wolfgang Liebehenschel hat sich mit diesem ungewöhnlichen Künstler befasst. Sein „historisches Kurzporträt“ können Sie hier lesen.

Die Älteste Grenze in Europa
Vor 600 Jahren: Der Friedensvertrag vom Melnosee

1422, vor 600 Jahren, wurde der Friede vom Melnosee über die Grenze zwischen Ostpreußen, Litauen und Polen festgelegt. Diese Grenze blieb über 500 Jahre lang, bis 1923, unverändert. Ein Teilstück der Grenze zwischen dem jetzigen russischen Oblast Kaliningrad und Litauen besteht noch heute. Es ist die wahrscheinlich älteste Grenze in Europa. Einen kurzen Artikel über den Frieden vom Melnosee finden Sie hier.

Red.

Die Förderung der Kultur der Vertriebenen und Spätaussiedler ist eine staatliche Aufgabe.

Vor 65 Jahren

Am 22 Juli 1957 trat die Neuregelung des § 96 BVFG in Kraft.

In politischen Gesprächen im Bekanntenkreis oder mit Politikern entsteht häufig der Eindruck, die Förderung der Arbeit der Verbände der Vertriebenen und Spätaussiedler sei ein Gnadenbeweis, der nach Belieben gewährt oder verweigert werden kann. Diese Annahme ist falsch. Bereits das Gesetz über die Angelegenheiten der Vertriebenen und Flüchtlinge (BVFG – Bundesvertriebenengesetz) von 1953 enthielt in § 96 eine Regelung über die Aufgaben des Bundes und der Länder bei der Kulturförderung. Am 22 Juli 1957 wurde diese Vorschrift geringfügig geändert. Seither, seit 65 Jahren, hat sie unverändert den folgenden Wortlaut:

§ 96 Pflege des Kulturgutes der Vertriebenen und Flüchtlinge und Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Bund und Länder haben entsprechend ihrer durch das Grundgesetz gegebenen Zuständigkeit

das Kulturgut der Vertreibungsgebiete in dem Bewusstsein

der Vertriebenen und Flüchtlinge,
des gesamten deutschen Volkes
und des Auslandes

zu erhalten,

Archive, Museen und Bibliotheken zu sichern, zu ergänzen und auszuwerten

sowie Einrichtungen des Kulturschaffens und der Ausbildung sicherzustellen und zu
fördern.

Sie haben Wissenschaft und Forschung bei der Erfüllung der Aufgaben, die sich aus der Vertreibung und der Eingliederung der Vertriebenen und Flüchtlinge ergeben,

sowie die Weiterentwicklung der Kulturleistungen der Vertriebenen und Flüchtlinge zu fördern.

Die Bundesregierung berichtet jährlich dem Bundestag über das von ihr Veranlasste. Man muss kein Jurist sein, um bei der Lektüre des Textes zu erkennen, dass durch dieses Gesetz für den Bund und die Länder die Verpflichtung statuiert wird, die Kultur der Vertriebenen und Flüchtlinge zu fördern - in eigenen und fremden Einrichtungen sowie durch die Vertriebenen und Flüchtlinge selbst. Bedauerlich ist, dass die Berichtspflicht über das Veranlasste nur der Bundesregierung und nicht den Länderregierungen auferlegt wurde. Dieser Verpflichtung kommt die Bundesregierung regelmäßig nach. Den aktuellen Bericht über die Jahre 2019 und 2020 können Sie hier herunterladen.

Leserbrief betreffend die Kürzung des muttersprachlichen Deutschunterrichts in Polen

Sehr geehrte Redaktion!

Die Mitteilung und der hervorragende Kommentar vom Vorsitzenden der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen, Herrn Bernard Gaida, zu dem Thema der Minderung oder Auslöschung des Deutschunterrichts und der schon stillschweigend erfolgten Reduzierung der Deutschstunden pro Woche für Schüler der älteren Jahrgangsstufen der deutschen Minderheit macht einen europäisch und nicht nur nationalistisch denkenden Menschen schon sehr ärgerlich.

Wenn ein polnischer Abgeordneter wie Herr Janusz Kowalski und der Ministerin für Bildung und Wissenschaft, Herr Przemyslaw Czarnek, die deutsche Minderheit durch die drastische Kürzung der Finanzmittel umerziehen oder vielleicht für irgendwelche politischen Differenzen strafen und zu rein polnisch sprechenden Bürgern machen wollen, ist das antieuropäisch und kontraproduktiv für ein verständnisvolles Miteinander. Wie sollen sich dann NATO-verbündete Soldaten in breitem Konsens verständigen und brüderlich bewegen können, wenn das nur über wenige Dolmetscher geht? Wie ist das Würdigen der historischen Kultur und das Begreifen auch von Größe oder Fehler des Nachbarvolkes denkbar, wenn die im eigenen Nationalstaat für vorhandene Minderheit schikaniert wird. –

Ich weiß noch, wie alle meine väterlichen väterlich-seitigen Geschwister und Voreltern in der früheren Preußen Provinz Posen mit ihren polnischen Klassenkameraden/innen auf dem Lande aufwuchsen und sich bestens bis in die 80er Jahre des vorigen Jahrhunderts brieflich verständigen konnten, freundschaftlich und an der Politik vorbei. Es hat nie geschadet – die Freundschaft der Schulkameraden überdauerten den Hitler und den Stalin. Man blieb Polin/Pole und Deutsche/Deutscher. Der umständliche Umweg über eine Drittsprache mit allen möglichen Missverständnissen war nie erforderlich. Insofern ist das Reduzieren der deutschsprachigen Stunden engstirnig und beinahe schon rassistisch. Das sollte – auch angesichts der
augenblicklichen russisch-ukrainischen Krieges – zwecks Förderung der deutsch-polnischen-europäischen Verstehens, auch im Sinne eines progressiven Minderheitenschutzes unbedingt auch von dem oben genannten Abgeordneten Kowalski und dem Minister Czarnek beachtet werden.

Deutschland hat um 1916 geholfen, die polnische Nation aufzubauen! Das möge man nicht übersehen.

Wolfgang Liebehenschel

Naturforscher und Poet zugleich

Erinnerung an Emil Barber der vor 105 Jahren in Görlitz verstarb

Emil Barber, ein schlesischer Lehrer aus Görlitz, ist immer seiner Heimat treu geblieben. Auch ohne höhere akademische Weihen hat er überragende Verdienste um die Erhaltung und Dokumentation des niederschlesischen Dialekts und die Erforschung der Pflanzenkunde in Niederschlesien erworben. Vor 105 Jahren ist er verstorben. Wolfgang Liebehenschel, ein Görlitzer, der sich seit Jahrzehnten von Berlin aus um die Pflege des geistigen Erbes Niederschlesien verdient gemacht hat, erinnert in einem kleinen Beitrag, den Sie hier herunterladen können, an diesen bedeutenden Görlitzer.

Vor 80 Jahren

Der schlesische Widerständler Kurt Steffelbauer wird hingerichtet

Am 21 Mai 1942 wurde der schlesische Widerstandskämpfer Kurt Steffelbauer hingerichtet. Seine Geburtsstadt Görlitz hat ihn bisher leider nicht angemessen gewürdigt. Eine Erinnerung an den entschlossenen Kämpfer gegen das NS-Regime können Sie hier herunterladen.

Was ein junger Deutscher aus Oberschlesien mit der deutschen Sprache verbindet

Ich finde, dass die deutsche Sprache die Mentalität der Deutschen bestens widerspiegelt. Man hört aus den Wörtern die Arbeitsmoral, die Präzision, Gewissenhaftigkeit und Ordentlichkeit heraus. Sie ist etwas ganz Besonderes. Es gibt Wörter, die unübersetzbar sind und in viele andere Sprachen übernommen wurden.

Schadenfreude zum Beispiel. Es ist nicht überraschend, dass die Deutschen dieses unrühmliche Phänomen der Menschen so prägnant festhielten. Menschen auf der ganzen Welt kennen dieses Gefühl, aber die Deutschen waren ehrlich und kreativ
genug, daraus ein Wort zu machen. Sie bringen alles auf den Punkt. Nicht nur bei der Arbeit, sondern auch im sprachlichen Ausdruck. Das gefällt mir.

Dennis

„Aus Liebe zu Deutschland – Ein Warnruf“

„Aus Liebe zu Deutschland – Ein Warnruf“ ist der Titel eines Buches, das vor einigen Wochen den Weg in die Buchhandlungen gefunden hat. Wenn man den Titel liest, ist man nicht verwundert, wenn man erfährt, dass der Autor unter Polizeischutz leben muss.

Das Buch befasst sich an keiner Stelle mit Angelegenheiten der Vertriebenen und Spätaussiedler.

Dennoch soll es für Sie besprochen und empfohlen werden. Es ist eine so schonungslose Analyse der politischen Verhältnisse in Deutschland, dass Sie es unbedingt lesen sollten.

Eine etwas eingehendere Rezension können Sie hier herunterladen.

Red.

  • 10 Jahre „Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler Sachsen/Schlesische Lausitz“ (LVS)
  • 30 Jahre Organisationen der Vertriebenen und Spätaussiedler in Sachsen und der Schlesischen Lausitz
  • Wichtige Jahrestage im Jahr 2021

Nach der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung wurden vor 30 Jahren die Organisationen der Vertriebenen und Spätaussiedler in Sachsen gegründet. Vor 10 Jahren entstand der Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler (LVS).

2021 jährten sich außerdem viele andere für die Vertriebenen und Spätaussiedler wichtige Ereignisse. Beispielsweise die Deportation der Deutschen in Russland im Jahr 1941 und die Deportation der deutschen Minderheit im Banat im Jahr 1951. Diese
Anlässe waren Gegenstand der Festrede von Friedrich Zempel beim Treffen der Chöre der Vertriebenen und Spätaussiedler in Sachsen mit Gästen aus Polen, das am Tag der Deutschen Einheit durchgeführt wurde. Die vollständige Rede können Sie hier herunterladen.

Red.

Deportationen – Literarische Blickwinkel

Hrsg. Albert Bohn und Anton Sterbling
Pop Verlag 2021 - ISBN 978 – 3 – 86356 – 333-2 - Preis: 21 €

Problematische Ereignisse, die uns nicht betreffen verdrängen wir gerne. Wenn von dem Banat gesprochen wird, denkt man zunächst an den Dichter Nikolaus Lenau. Vielleicht erinnern wir uns noch daran, dass die Donauschwaben einst mit den „Ulmer Schachteln“ in ihre neue Heimat aufgebrochen sind. Wer Spätaussiedler aus dem Banat getroffen hat, freute sich, dass sie ein gepflegtes Deutsch sprechen, das in Deutschland bereits ausgestorben ist. Vor allen Dingen die zuletzt genannte Tatsache verleitet zu der irrigen Annahme, den Deutschen in Rumänien sei es immer gut gegangen. Ihre Leiderfahrungen sind bekannt wenig. Die Donauschwaben im Banat wurden zweimal deportiert 1945 und 1951.

Die Herausgeber des Sammelbandes „Deportationen – literarische Blickwinkel“ füllen diese Wissenslücke. Sie haben Gedichte, Erzählungen und Aufsätze von 11 Dichtern bzw. Schriftstellern in einem etwa 300 Seiten starken Buch zusammengefasst. Die Gedichte wecken Empathie und Nachdenklichkeit, so dass die Erzählungen und Aufsätze, die zweifellos auf realen Begebenheiten fußen, bei dem Leser einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Anders als in Zeitzeugenberichten wird das gesamte Geschehen in den Blick genommen. Auch das Leid der Anderen und menschliches Verhalten der mit der Durchführung der Deportation Beauftragten wird erwähnt. In der Geschichte „Der serbische Kaufmann“ wird deutlich, wie ein Mensch - zweifellos kein Heiliger - der sich nur so verhält, wie wir es von jedem Nachbarn erwarten, in einem Strudel aus Egoismus, Nationalismus und Kommunismus mitgerissen und zerstört wird. Besonders interessant ist dieses Buch für alle, die nicht selbst erlebt haben, wie leidvoll das Zusammenleben verschiedener Ethnien werden kann.

Ze.

1951 - Die Kinder erinnern sich

Die Verschleppung der Deutschen aus dem Banat in die Sowjetunion aus der Sicht der Kinder
Erzählberichte

Zu den vielen vergessenen Opfern des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit gehören mehrere 100.000 deutsche Zivilisten, die aus anderen Staaten in die Sowjetunion deportiert wurden. Unter ihnen waren rund 70.000 Deutsche aus Rumänien, davon ca. 33.000 Banater Schwaben. Einige von ihnen wurden kurz nach der Rückkehr in ihre Heimat im Sommer 1951 erneut verschleppt, diesmal in die Baragansteppe.

Das Schicksal der deportierten Banater Schwaben gab Herta Müller Anlass zu ihrem Roman „Atemschaukel“, für den sie den Nobelpreis erhielt.

Jetzt haben Kinder der deportierten Banater ihre Erinnerungen aufgeschrieben, die in einem Erzählband zusammengefasst wurden, den Albert Bohn, Werner Kremm, Peter-Dietmar Leber, Anton Sterbling und Walter Tonta herausgegeben haben.

In dem Buch werden nicht nur die Berichte der Deportierten aus dem Mund der Kinder nacherzählt, sondern die Kinder erzählen auch die Auswirkungen auf ihr Leben.

Verstörend wirkt auf den unbefangenen Leser, dass die brutale menschenverachtende Methode der „Aushebung“ der Deportierten nach dem gleichen Muster erfolgte, mit dem die SS Polen für die Zwangsarbeit in Deutschland „einfing“.

Das Buch kann zum Preis von 18 € bei der Landsmannschaft der Banater Schwaben e.V., Karwendelstraße 32, 81369 München, Tel.: 089 2355730, bezogen werden.

Red.

Josef Sallanz: Dobrutscha. Deutsche Siedler zwischen Donau und Schwarzem Meer

Hrsg.: Deutsches Kulturforum östliches Europa
ISBN: 978 – 3 – 936168 – 73 – 0

Der Balkan war immer ein Kaleidoskop der Ethnien. Hierzu gehörten auch viele Gebiete mit einer deutschen Minderheit. Allein auf dem Gebiet des heutigen Rumäniens gab es 6 Regionen mit einer größeren deutschen Minderheit sowie mehrere kleine Siedlungsinseln.

Zu den Regionen mit einer größeren deutschen Minderheit gehörte die Dobrutscha, ein fruchtbares Steppengebiet am schwarzen Meer südlich des Donaudeltas. Im Vergleich mit Siebenbürgen, wo die ersten Deutschen bereits vor 850 Jahren angesiedelt wurden, kamen deutsche Siedler erst relativ spät, vor 180 Jahren, in die Dobrutscha. Hier lebten sie mit vielen anderen Ethnien zusammen. Das Gebiet gehörte damals noch zum osmanischen Reich. Unter den Osmanen genossen sie viele Freiheiten. Als die Dobrutscha 1878 zu Rumänien kam, wurden sie Bürger zweiter Klasse. Sogar der Grunderwerb blieb Rumänen vorbehalten. Die folgenden Jahrzehnte bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren für die Deutschen wie für alle Minderheiten auf dem Balkan mit ständigen Zurücksetzungen oder sogar Verfolgungen verbunden. Nachdem die Deutschen aus der Dobrutscha zu Beginn des Zweiten Weltkrieges „Heim ins Reich“ geholt wurden, mussten sie erfahren, dass auch Deutsche für das NS-Regime nur Menschenmaterial waren. Als die Bewohner des Dorfes Malkotsch darauf bestanden, gemeinschaftlich angesiedelt zu werden, wurden sie kurzerhand in ein KZ eingeliefert.

Die Geschichte dieser Minderheit beschreibt Josef Sallanz kenntnisreich und empathisch.

Eine ausführliche Rezension von Prof. Dr. Anton Sterbling können sich hier herunterladen.

Red.

Grundwissen für jedermann

Eine kurz gefasste Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

Oft sind wir erschreckt und verärgert, über die mangelnde Kenntnis der Geschichte der Deutschen im und aus dem östlichen Europa. Da wird Siebenbürgen mit Ostpreußen verwechselt, weil man bei Ostpreußen automatisch an Burgen denkt. Mag das noch komisch sein, so ist die Annahme, die Spätaussiedler und Vertriebenen seien nur die zurückgebliebenen Reste von HitlersBesatzungstruppen gewesen, ehrverletzend und diskriminierend.

Völlig unbekannt ist die Tatsache, dass die Deutschen nicht als Eroberer kamen, sondern von den einheimischen Herrschern und Adligen gerufen wurden. Eine Ausnahme bildete nur das Baltikum.

Unbekannt ist auch, dass diese Menschen vielfach kulturelle Traditionen bewahrt haben, die ihre Vorfahren vor Jahrhunderten aus ihren Herkunftsregionen in Westdeutschland mitgebracht hatten.

Trotzdem hatten sie sich in vielen Regionen, insbesondere in den früheren deutschen Ostprovinzen, mit der einheimischen Bevölkerung vermischt und keine Parallelgesellschaften gebildet. Ihre zivilisatorischen und kulturellen Leistungen stehen keineswegs hinter denen im heutigen Deutschland zurück. Einer der größten Philosophen weltweit, der größte deutsche Philosoph war Immanuel Kantaus Königsberg, die erste deutschsprachige Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner aus Prag.

Die landläufige Annahme von der Rückständigkeit Ostmitteleuropas und Osteuropas ist falsch. 1735 wurde die erste Bergschule der Welt in dem von deutschen Bergleuten geprägten Städtchen Schemnitzin der heutigen Slowakei gegründet. Das war keine Ausnahme. Die ersten mitteleuropäischen Universitäten wurden nicht in Leiden und Heidelberg gegründet, sondern in Prag und Krakau.

Es gibt daher viele Gründe, sich ein kleines Grundwissen über die Deutschen im Osten anzueignen.

Winfried Schirotzek hat dieses Grundwissen in seinem Buch „Deutsche im östlichen Europa“ auf rund 130 Seiten zusammengetragen.

Das Buch kann gegen eine Spende von 10 Euro auf das Konto

IBAN DE 10 8505 0100 0232 0101 53

beim Verein Erinnerung und Begegnung e.V. portofrei bestellt werden. Es ist ausreichend, beim Verwendungszweck Ihren Namen und Adresse sowie Schirotzekbuch anzugeben.

Red.

„Bilder meiner Kindheit“,
Mit diesem Buch von H.-D. Haim erreicht man die Jugend

„Die Schüler der Klasse 8 a lauschten gespannt den Worten Hans-Dieter Haims und erlebten sehr anschaulich die Lebensumstände der damaligen Zeit. Besonders hat gefallen, dass der Autor einzelne Szenen aus seinem Leben äußerst lebendig beschrieben hat, sodass sich beim Zuhörer ein besonderes Gefühl der Anteilnahme entwickelte.“

Mit diesen Worten berichtet eine Lehrerin der Oberschule Innenstadt Görlitz über eine Lesung von Prof. Dr. Hans-Dieter Haim aus seinem Buch „Bilder meiner Kindheit – Erinnerungen an Schlesien“.

Ähnliche Erfahrungen haben Mitglieder der Redaktion bei Zeitzeugengesprächen in Schulen in Pirna und Freital ebenfalls gemacht. Den Schülern gefällt, dass der Autor nicht belehren will, sondern nur Erlebnisse schildert, ohne Schlüsse zu ziehen oder moralische Urteile abzugeben. Die Beurteilung überlässt er dem Leser bzw. bei den Hörern. Eine längere Rezension von Peter Börner steht für Sie hier zum Herunterladen bereit.

Das Buch kann bei der Redaktion (friedrich.zempel@t-online.de) bestellt werden. Wir bitten um einen Auslagenersatz von 20 € auf das Vereinskonto IBAN DE 10 8505 0100 0232 0101 53.

Red.

Ein Schlüssel für das Erfolgsgeheimnis?

Am Rande Mitteleuropas

„Am Rande Mitteleuropas“ lautet der Titel eines Buches über das Banat von Prof. Dr. Anton Sterbling, Mitglied des Kuratoriums unserer Stiftung. Es ist ein Bekenntnis zu seiner Heimat, dem Banat als multiethnische Region. Hier hat er bis 1975 gelebt und Elektrotechnik studiert. Dann kam er als Aussiedler in die Bundesrepublik, studierte Sozialwissenschaften und wurde Professor. Obwohl Anton Sterbling sein ganzes Berufsleben als Wissenschaftler gearbeitet hat - über 500 Veröffentlichungen tragen seinen Namen - ist das Buch von den eigenen Erfahrungen des Autors geprägt. Es ist daher gerade für ein breites Publikum lesenswert. Offenbar haben die ersten Studienjahre der Elektrotechnik seine Gedankenführung nachhaltig beeinflusst; denn seine Schriften kann man ohne Benutzung eines Fremdwörterlexikons verstehen.

Innerhalb weniger Jahre hat das in Temeswar im Banat gelegene Nikolaus-Lenau-Gymnasium zwei Nobelpreisträger hervorgebracht. Vielleicht finden Sie in dem Buch von Anton Sterbling einen Schlüssel für das Erfolgsgeheimnis der Deutschen aus dem Banat. Eine ausführliche Rezension von Dr. Jürgen Henkel können Sie hier herunterladen.

d. Red.

Timisoara / Temeswar – europäische Kulturhauptstadt 2021 und ihre deutschen Bezüge

Vor wenigen Wochen elektrisierte eine Meldung ganz Mitteleuropa. Der junge Deutsche Dominik Fritz wurde am 27. Oktober zum Bürgermeister von Timisoara / Temeswar gewählt. Temeswar gehört zu den größten Städten Rumäniens und ist Hauptstadt des Banats, einer der interessantesten Regionen Europas. In den letzten Jahren hat Temeswar mehrfach Furore gemacht. 2009 erhielt Herta Müller den Nobelpreis für Literatur und 2014 Stefan Hell den Nobelpreis für Chemie. Beide Nobelpreisträger gehörten zu der deutschen Minderheit der Banater Schwaben und hatten das Nikolaus-Lenau-Gymnasium in Temeswar besucht, bevor sie mit ihren Familien in die Bundesrepublik ausgesiedelt wurden. Auch der Namensgeber ihrer Schule stammte aus dem Banat. Computerfreaks haben nachgewiesen, dass der Dichter Lenau nach Goethe den umfangreichsten Wortschatz aller deutschsprachigen Dichter hatte. Wer sich mit der deutschen Minderheit im Banat etwas befassen will, dem empfehlen wir den Aufsatz

Mythos Banat

des Mitglieds des Kuratoriums der Stiftung Erinnerung, Begegnung, Integration, Prof. Dr. Anton Sterbling, den Sie hier herunterladen können. Wenn Sie über einen breiten Bildschirm verfügen, können Sie eine 4-spaltige Version mit Bildern und Diagrammen hier herunterladen.

f. z.

Erinnerung, Begegnung, Integration

Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen

Unsere Arbeit geht trotz Corona weiter

Spenden Sie für das dauerhaft gesicherte Grundvermögen (nicht für den Verbrauch bestimmt)

Stiftungskonto: IBAN: DE 12 8705 2000 0190 0222 05

Aufruf an die Deutschen aus Russland und den Nachfolgestaaten der UdSSR

Spenden Sie Dokumente, Fotos und Ausstellungsstücke für unsere Erinnerungsstätte in Knappenrode/Hoyerswerda.

In Knappenrode werden wir eine Erinnerungs-, Begegnungs- und außerschulische Bildungsstätte errichten. Für diese Einrichtung suchen wir dringend Erinnerungsstücke der Deutschen aus Russland.

Wir kennen Ihre Geschichte. Wir wissen, dass Sie so gut wie keine Gegenstände aus den früheren Heimatgebieten an der Wolga den vielen anderen Siedlungsgebieten in der früheren UdSSR nach Sachsen mitbringen konnten. Für uns sind aber auch wichtig:

Briefe und sonstige Dokumente, Fotos, Bilder, Bücher und Kleidungsstücke, auch aus der Zeit nach der Entlassung aus der Trudarmee, beispielsweise der Schriftverkehr über ihre Aussiedlung und natürlich auch Gegenstände wie Geschirr und Haushaltsartikel.

Selbst ein paar Stricknadeln sind für uns wichtig, wenn sie mit einer Geschichte verbunden sind. Wenn Sie sich nicht zutrauen, die Geschichten selbst aufzuschreiben, helfen wir Ihnen gerne.

Vor einigen Monaten haben wir von einer Deutschen aus Georgien ein Gesangbuch bekommen. Die Eigentümerin hatte zunächst Bedenken, es uns zu übereignen, weil es schon stark zerfleddert war. Aber gerade dieser Zustand war für uns wichtig; denn er ermöglichte uns, die Geschichte der Familie seiner Eigentümerin zu erzählen. Mit einer druckfrischen Ausgabe hätten wir das nicht tun können. Die Geschichte musste die Eigentümerin nicht selbst aufschreiben. Wir habe sie interviewt.

Sie können sich gerne direkt an die Stiftung der Vertriebenen, Heinrich-Heine-Straße 6A, 02977 Hoyerswerda oder an die Vorsitzenden Ihrer landsmannschaftlichen Gliederung wenden.

Friedrich Zempel

PS. Natürlich sind wir auch an den gleichen Erinnerungsstücken aus den Herkunftsgebieten der anderen Vertriebenen und Spätaussiedlern interessiert.

Tanzkreis Rübezahl aus Deutsch-Paulsdorf bei Görlitz

Im Bild: Das Kinder-und Jugendensemble Sonnenschein des DRZ Leipzig im Plenarsaal des Sächsischen Landtages

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