Erinnerung und Begegnung e.V.
im
Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen / Schlesische Lausitz

Wir begrüßen Sie auf unserer Internetseite www.vertriebene-in-sachsen.de

Editorial Sommer 2021

Vor 80 Jahren: Angriff auf Russland – Deportation der Deutschen in Russland

Vor 60 Jahren: LWW will Brücke der Verständigung sein

In diesem Sommer müssen wir an mehrere wichtige historische Ereignisse erinnern.
Vor 80 Jahren, am 22 Juni, überfiel das Deutsche Reich die Sowjetunion. Der Krieg und die Unterdrückung der Menschen in der Sowjetunion wurde von Deutschland mit einer bisher nie da gewesenen Grausamkeit und Opferzahl durchgeführt.

Zwei Monate später, am 28. August, begann die Deportation der Deutschen in Russland nach Sibirien, obwohl sie an dem Angriff ebenso wenig schuld waren wie alle anderen Bürger der UdSSR.

Im Juli können wir ein besonderes Jubiläum begehen.

Vor 60 Jahren, am 15. und 16. Juli 1961, führte die Landsmannschaft Weichsel/Warthe (LWW), die Landsmannschaft der Deutschen aus Polen, ihr Bundestreffen in Frankfurt am Main unter dem Motto „Brücke der Verständigung“ durch. Der LWW ging es um eine Verständigung mit polnischen Menschen.

Dieser lange vor dem Beginn der „neuen Ostpolitik“ geäußerte Wunsch mag für viele Nichtvertriebene angesichts der weit verbreiteten Vorurteile gegenüber den Vertriebenen überraschend erscheinen. Dennoch war er besonders für die Vertriebenen aus Polen eine moralische Selbstverständlichkeit und politische Notwendigkeit. Sie hatten zwischen beiden Weltkriegen zunächst den polnischen Chauvinismus erlitten und nach dem Überfall des Deutschen Reiches auf Polen erlebt, wie in wenigen Wochen für jedes deutsche Opfer 10 Polen, vorzugsweise aus der Oberschicht, ermordet wurden. Später wurde dieses Verhältnis noch vervielfacht.

Das Heimattreffen der Deutschen aus Polen im Jahr 1961 war nicht der erste Versuch der Vertriebenen, den Menschen aus ihren Heimatgebieten die Hand zur Versöhnung zu reichen. Am 4. August 1950 hatten Vertreter von Organisationen der Sudetendeutschen und der Exiltschechen das „Wiesbadener Abkommen“ geschlossen. Es versuchte, den Anliegen beider Seiten gerecht zu werden. Das Abkommen enthielt ein Bekenntnis zur Demokratie und zum friedlichen Miteinander und forderte, die Schuldigen beider Seiten zu bestrafen und die Opfer zu entschädigen. Das Abkommen sah einerseits die Anerkennung des Rechtes auf Heimat vor, enthielt aber auch ein Bekenntnis zum Selbstbestimmungsrecht der Völker. Wesentliche Punkte des Abkommens waren auch in der am folgenden Tag in Stuttgart Bad Cannstatt verabschiedeten Charta der Vertriebenen enthalten.

Aktuell erleben wir, dass sich viele Menschen in „sozialen Medien“ und bei politischen Manifestationen in Hass und Wut hineinsteigern, um besondere Aufmerksamkeit zu erlangen. In den meisten Fällen steckt dahinter nur Dummheit oder Faulheit. Man möchte sich nicht die Mühe machen, um, wie der französische Politiker, Schriftsteller und Philosoph Vicomte de Chateaubriand forderte, das Gute und das Positive zu bewahren und zu pflegen.

Unsere Leser sollten das tun.

Friedrich Zempel

Erinnerung, Begegnung, Integration –Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen
Heinrich-Heine-Straße 6 A, 02977 Hoyerswerda

Auslobung des ZukunftErbe-Preises
für herausragende Beiträge zur Geschichte und Bewahrung des kulturellen Erbes der Vertreibungs- und Aussiedlungsgebiete der Deutschen aus OstMittelEuropa

Der „ZukunftErbe-Preis“ wird vergeben für herausragende Leistungen schriftstellerischer oder anderer künstlerischer (z. B. Malerei, Musik) oder wissenschaftlicher Art, die sich mit der Geschichte und Bewahrung des kulturellen Erbes der Vertreibungs- und Aussiedlungsgebiete der Deutschen aus OstMittelEuropa befassen. Insbesondere soll der Preisträger in seinem Schaffen nachdrücklich dazu beigetragen haben, dass dieses kulturelle Erbe auch heute beidseitig der Grenzen, also in der Bundesrepublik Deutschland (vorrangig dabei im Freistaat Sachsen) als auch in den ehemaligen Vertreibungs- und Aussiedlungsgebieten, für Impulse im gesellschaftlichen Miteinander sorgt. Von daher ist auch der Bezug zur erfolgten Integration als auch zu Fragen des Minderheitenschutzes gegeben.

Der Preis ist dotiert mit 3.000 Euro, einer Graphik und einer Urkunde. Er kann auch geteilt vergeben werden. Über die Vergabe entscheidet eine von der Stiftung berufende Jury unter Ausschluss des Rechtsweges. Die Vergabe selbst erfolgt am zweiten Sonntag im September anlässlich des Sächsischen Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung.

Vorschläge für Preisträger sind bis zum 31. Juli 2021 an die obige Adresse zu richten; die Jury ist darüber hinaus selbst vorschlagsberechtigt.

Die Verleihung ist mit der Auflage verbunden, dass die/der Preisträger bei einer Veranstaltung der Stiftung zu seinem Schaffen vorträgt.Bei der Veröffentlichung zur Preisträgerschaft ist auf die Unterstützung durch die Stiftung und die Mitfinanzierung des Projektes aus Mitteln des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes hinzuweisen.

Frank Hirche, Vorstandsvorsitzender, Hoyerswerda, 1. Juli 2021

Erinnerung, Begegnung, Integration –Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen
Heinrich-Heine-Straße 6 A, 02977 Hoyerswerda

Auslobung eines Stipendiums
für besondere Beiträge zur
Bewahrung und Fortentwicklung der Geschichte der in Sachsen lebenden Vertriebenen und Spätaussiedler, ihrer Heimatgebiete und der Geschichte der Deutschen Minderheit in OstMittelEuropa

Das Stipendium wird vergeben für besondere Arbeiten schriftstellerischer oder anderer künstlerischer (z. B. Malerei, Musik) oder wissenschaftlicher Art, die sich mit der Geschichte und Bewahrung des kulturellen Erbes der Vertreibungs- und Aussiedlungsgebiete der Deutschen aus OstMittelEuropa befassen. Insbesondere soll sich die Arbeit mit den heutigen Auswirkungen des kulturellen Erbes beidseitig der Grenzen, also sowohl in Sachsen als auch in den ehemaligen Herkunfts-, Vertreibungs- und Aussiedlungsgebieten, und den Auswirkungen auf unser gesellschaftliches Miteinander sowie den Umgang mit Heimat und Minderheiten befassen. Von daher sind Bewerbungen auch aus den ehemaligen Vertreibungs- und Aussiedlungsgebieten willkommen. Die Arbeit ist in deutscher Sprache abzufassen.

Das Stipendium ist mit 6 × 300€ dotiert. Es wird einkommensunabhängig gewährt. Es kann auch geteilt vergeben werden. Über die Vergabe entscheidet eine von der Stiftung berufende Jury unter Ausschluss des Rechtsweges. Die Vergabe selbst erfolgt am zweiten Sonntag im September anlässlich des Sächsischen Gedenktages für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung.

Die Bewerbung ist bis zum 31. Juli 2021 an die obige Adresse zu richten. Sie ist an die Bedingung geknüpft, dass das Projekt noch nicht beendet sein darf. Es ist aber unschädlich, wenn mit dem Projekt bereits vor der Bewerbung begonnen wurde. Nach drei Monaten ist ein Zwischenbericht abzugeben.

Bewerben können sich Studenten, Wissenschaftler oder Künstler, die ein entsprechendes Vorhaben in Sachsen oder in OstMittelEuropa durchführen. In der deutschsprachigen Bewerbung sind das Thema und die Zielsetzung ausführlich zu beschreiben. Sofern das Vorhaben von Dritten fachlich betreut wird, sind die Betreuer anzugeben. In einem Jahr nicht berücksichtigte Bewerber können sich im nächsten Jahr wieder bewerben.Die Bewerber verpflichten sich zugleich, die hergebrachten Grundsätze der wissenschaftlichen bzw. künstlerischen Redlichkeit zu beachten.

Die Vergabe ist mit der Auflage verbunden, dass die Ergebnisse der/des Stipendiaten bei einer Veranstaltung der Stiftung präsentiert werden.

Bei der Veröffentlichung sowie der wirtschaftlichen Nutzung des mit dem Stipendium geförderten Projekts ist auf die Unterstützung durch die Stiftung und die Mitfinanzierung des Projektes aus Mitteln des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushaltes hinzuweisen.

Frank Hirche, Vorstandsvorsitzender, Hoyerswerda, 1. Juli 2021

Das Internet verbindet und hält jung

Armin Hirsekorn

und diese Internetseite feiern runde Geburtstage – 90 bzw. 10 Jahre

Vor zehn Jahren fasste der Vorstand des Vereins Erinnerung und Begegnung e.V. den Entschluss, diese Internetseite einzurichten. Zu diesem Zweck gründeten wir einen Arbeitskreis. Mitglieder wurden Interessenten, die sich alle vorher nicht kannten: Armin Hirsekorn, der damals kurz vor seinem 80. Geburtstag stand, der 52 Jahre jüngere Ronny Gericke aus Hamburg, Günter Thiel und Lothar Zenker vom BdV-Freital und ich selbst als Vorsitzender des EuB.

Unsere Sitzungen führten wir in der Geschäftsstelle des BdV-Kreisverbandes Freital durch. Ronny Gericke konnte auf Grund der Entfernung nur per Telefon teilnehmen. Er hatte kurz zuvor sein Informatikstudium abgeschlossen und seine erste Stelle in Hamburg angetreten.

Weil unter uns „Hiesigen“ Armin Hirsekorn die besten Informatikkenntnisse hatte, erklärte er sich bereit, das Layout zu entwickeln. Daher übernahm er auch die Kontaktpflege zu Ronny Gericke, der die Seite programmieren wollte. Einmal stellte ich fest, dass Armin Hirsekorn und Ronny Gericke an den im Arbeitskreis beschlossenen Entwürfen Änderungen vorgenommen hatten. Ich rief Ronny an und fragte, wie es zu den Änderungen gekommen sei. Er antwortete: „Das habe ich mit Armin so
abgesprochen.“ Ich war überrascht, dass er den 52 Jahre älteren Armin Hirsekorn nur mit dem Vornamen erwähnte, weil ich ihn trotz langjähriger Bekanntschaft noch immer mit seinem Familiennamen anredete. Ich fragte: „Warum duzt Ihr Euch?“ Ronny entgegnete: „Das ist unter jungen Leuten so üblich.“ Für ihn hatte es außer Zweifel gestanden, dass jemand, der sich so gut mit Informatik und dem Internet auskennt, zu den „jungen Leuten“ gehört.

Wer jetzt mitgerechnet hat, weiß, dass Armin Hirsekorn in diesen Tagen seinen 90. Geburtstag feiern kann. Wir gratulieren und danken ihm für langjährige Mitarbeit.

Armin Hirsekorn stammt aus Konstantynow/Lodzki, einer Kleinstadt, die nur wenige Kilometer von Lodz entfernt ist. Ebenso wie Lodz erlebte Konstantynow zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch die Textilindustrie einen wirtschaftlichen Aufschwung und zog viele schlesische Tuchmacher an.

Ursächlich für diese Entwicklung war die Errichtung einer Zollgrenze zwischen Preußen und Russland, das sich im Wiener Kongress das Königreich Polen einverleibt hatte. Tuchhändler aus Deutschland mussten nun für den Export deutscher Stoffe in das Zarenreich hohe Zölle bezahlen. Der Absatz ging zurück. Die deutschen vor allem schlesischen Weber wurden arbeitslos. Sie wanderten aus und bauten in und um Lodz eine neue Textilindustrie auf, auch in Konstantynow. Diese Zeit hat der polnische Nobelpreisträger Reymont in seinem Roman „Das gelobte Land“ verarbeitet. Das Buch wurde von dem Regisseur Andrzej Wajda verfilmt. Es ist der zweifellos beste Film über diese Epoche. Zu den schlesischen Webern, die in Lodz und Umgebung eine neue Heimat suchten und fanden gehörten auch die Vorfahren von Armin Hirsekorn.

Während des Zweiten Weltkriegs erlebte die Stadt ein dunkles Kapitel. Das Dritte Reich richtete hier ein Sammellager für Polen ein, die in das Generalgouvernement vertrieben wurden. Bei Kriegsende schlug das Pendel zurück. Jetzt wurden die Deutschen vertriebenen – auch die Familie von Armin Hirsekorn.

Nach der Vertreibung und dem Schulabschluss hat Armin Hirsekorn verschiedene Studiengänge absolviert und den Beruf des Lebensmitteltechnologen ergriffen. In dieser Zeit hat er mehrere wissenschaftliche Werke und Lehrbücher verfasst. Nach der Wiedervereinigung konnte er sich der Heimat seiner Familie widmen. Er hat viele historische Artikel für Publikationen der Landsmannschaft Weichsel/Warthe und einen Roman über Konstantynow und das Lodzer Industriegebiet geschrieben.

Trotz einiger körperlicher Einschränkungen ist er nach wie vor publizistisch aktiv. Einen Teil seiner Arbeiten kann man im Internet nachlesen.

Wir wünschen Ihnen, lieber Herr Hirsekorn, eine bessere körperliche Gesundheit und Freude bei Ihrer historischen Arbeit.

Friedrich Zempel

Armin Hirsekorn

Das Ende des Zweiten Weltkrieges beendete nicht das Leiden

Die Deportationen der Deutschen in Rumänien

Das Mitglied unseres Stiftungskuratoriums, Professor Dr. Anton Sterbling, hat zusammen mit anderen Autoren zwei neue Publikationen über das Schicksal der Deutschen im zu Rumänien gehörenden Teil des Banats vorgelegt.

Albert Bohn / Anton Sterbling (Hrsg.): Deportationen. Literarische Blickwinkel - Pop Verlag, Ludwigsburg 2021

Deportationen, insbesondere in die Sowjetunion im Januar 1945 und in die Barragan-Steppe im Frühsommer 1951, bildeten einschneidende Geschehnisse in der wechselhaften und leidvollen Geschichte der Deutschen aus Rumänien im 20. Jahrhundert. Zugleich handelt es sich um lange Zeit in der öffentlichen Diskussion in der Literatur im kommunistischen Rumänien tabuisierte Themen. Diese Anthologie versammelt ältere und neuere literarische
Arbeiten zum Problemkreis der Deportationen, die von ehemaligen Mitgliedern der „Aktionsgruppe Bernard“ wie auch Angehörigen ihres Freundeskreises stammen. In dem Band sind mit Gedichten oder Prosatexten Albert Bohn, Rolf Bossert, Helmuth Frauendorfer,

Ilse Hehn, Johann Lippet, Traian Pop Traian, Horst Samson, Hellmut Seiler, Anton Sterbling, Richard Wagner und Balthasar Waitz vertreten. (ISBN 978 – 3 – 86356 – 533 – 2) Albert Bohn / Werner Kremm / Peter-Dietmar Leber / Anton Sterbling / Walter Tonta

(Hrsg.): Die Verschleppung der Deutschen aus dem Banat in die Sowjetunion aus der Sicht ihrer Kinder. Erzählberichte – Schriftenreihe Banater Bibliothek 20, München 2021

Als Beitrag zur Erinnerungskultur dokumentiert der Band über 110 Erzählberichte von Kindern von deportierten Deutschen aus dem Banat in die Sowjetunion, ergänzt durch Analysen von Anton Sterbling und William Totok und statistische Materialien von Ovidiu Laurentiu Rosu. Mit diesem Band sollen die schwierigen und schmerzhaften Erfahrungen und Erlebnisse im Zusammenhang mit der Verschleppung in die Sowjetunion in vielfältigen individuellen Erinnerungssträngen in einer spezifischen Weise im kollektiven Gedächtnis bewahrt werden. Ebenso sollen die damit festgehaltenen Geschehnisse sowie deren subjektive Verarbeitung aus der Sicht der Kinder der Deportierten zeigen, dass historische Katastrophen und politische Verbrechen, durch wen auch immer verschuldet und zu verantworten, nicht selten schwerwiegende langfristige Auswirkungen haben, deren zeitliche und sachliche Reichweite man oft gar nicht angemessen beurteilen und abschätzen kann. Sie treffen nicht selten individuell und im subjektiven Sinn völlig oder weitgehend schuldlose Menschen, die dafür mitunter auch noch in der Generationsfolge in kollektive Haftung genommen werden. Dies will der Band als eindringliche Erinnerung und nachhaltige Mahnung vermitteln.

In Memoriam Michael Wieck

Die meisten Angehörigen der Nachkriegsgeneration haben gegenüber Berichten der Kriegsgeneration eine verständliche Skepsis. Als Ende der achtziger Jahre Michael Wieck sein Buch über das Kriegsende in Königsberg veröffentlichte, stieß es auch bei jüngeren Menschen jedoch wegen einer Unterzeile sofort auf Interesse. Der volle Titel des heute noch immer lesenswerten Buches lautet: „Zeugnis vom Untergang Königsbergs – eine „Geltungsjude“ berichtet“.

Michael Wieck war Sohn eines christlichen Vaters und einer jüdischen Mutter. Viele Verwandte der Mutter wurden in Vernichtungslagern ermordet. Man kann daher annehmen, dass der Autor sein Schicksal und das seiner Geburtsstadt Königsberg objektiv geschildert hat. Dies macht sein Buch so wertvoll.

Als Violinist war Michael Wieck war besonders sensibel. Er suchte in Israel und Neuseeland eine neue Heimat, kehrte dann doch wieder nach Westdeutschland zurück und hat das zitierte Buch verfasst.

Nun ist Michael Wieck nach einer erfolgreichen Karriere als Berufsmusiker am 27. Februar im Alter von 93 Jahren in Stuttgart verstorben.

Einen Nachruf auf Michael Wieck von Jörn Pekrul aus dem Preußen Kurier 1/2021, denn wir mit freundlicher Genehmigung der Redaktion übernommen haben, können Sie hier nachlesen.

Red.

Karl Dedecius zum 100. - Erinnerungen an den Brückenbauer aus Lodz

In einer Zeit, in der weltweit soziale, kulturelle und politische Brücken eingerissen und Mauern errichtet werden, ist es gut, sich an das Wirken von Brückenbauern zu erinnern.

Karl Dedecius war der vielleicht bedeutendste Brückenbauer zwischen Deutschland und Polen. Er hat mehr als 160 Bücher übersetzt, die meisten aus dem Polnischen ins Deutsche.

Ein großer Teil der polnischen Bücher erschien als preisgünstiges Taschenbuch im Suhrkamp-Verlag. Auf diese Weise hat er Generationen deutscher Gymnasiasten den Zugang zur polnischen Literatur und Kultur und damit zu polnischen Menschen eröffnet.

Vor 100 Jahren, am 20. Mai 1921, wurde Karl Dedecius in Lodz als Sohn einer deutschen Familie geboren.

Karl Dedecius hatte das Übersetzerhandwerk nicht an der Universität gelernt. Als Sohn einer deutschen Familie in Lodz war er zweisprachig aufgewachsen. Dies war für Deutsche in Polen nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich war, dass die Familie Dedecius sich dem in der Zwischenkriegszeit immer stärker werdenden Nationalismus verweigerte. Die Einstellung seiner Eltern zu der nationalen Frage war vermutlich auch der Grund dafür, ihren Sohn nicht zu dem deutschen, sondern zu einem polnischen Gymnasium zu schicken. Sohn Karl war daher von Jugend auf daran gewöhnt, dass Lodz, die neben Warschau zweitgrößte Stadt im Herzen Polens, die angestammte Heimat seiner Familie war. In Lodz lebten neben der polnischen Mehrheit 10-tausende Deutsche und Juden sowie Angehörige anderer Nationen. Die Kenntnisse und Einblicke, die er auf diese Weise gewann, ermöglichten ihm, polnische Literatur nicht schulmäßig zu übersetzen, sondern mit Verstand und Herz ins Deutsche zu übertragen bzw. nachzudichten.

Seine Übersetzungen fanden in Deutschland und Polen große Anerkennung. Er wurde mit Preisen überhäuft, deren Anzahl sich noch vermehrte, nachdem er das „Deutsche Polen-Institut“ in Darmstadt gegründet hatte. Zu seiner Wertschätzung hat auch sein freundliches unprätentiöses und trotzdem sicheres gelassenes Auftreten beigetragen. Eine ausführliche Würdigung durch den Bundesvorsitzenden der Landsmannschaft Weichsel/Warthe, Dr. Martin Sprungala, finden Sie hier.

Die Öffnungszeiten des Hauses der Heimat bleiben unverändert Donnerstag bis Sonnabend
14:00 bis 16:00 Uhr sowie nach Vereinbarung unter 035828/70684 oder 0351/6585679
Bitte beachten Sie die jeweils geltenden Pandemiebestimmungen.

Die Volksabstimmungen über den Verbleib von Teilen von Ost- und Westpreußen
sowie von Oberschlesien beim Deutschen Reich vor 100 Jahren

Basierend auf den Schriften des mährischen Philosophen und Pädagogen Amos Comenius und des ostpreußischen Philosophen Immanuel Kant wurde im 19. Jahrhundert die Lehre vom Selbstbestimmungsrecht der Völker entwickelt. Am Ende des 1. Weltkriegs griff der amerikanische Präsident Woodrow Wilson diese Idee auf und machte sie zur Grundlage seines 14-Punkte-Programms zur Beendigung des Krieges. In Punkt XIII erklärte er, es sollte ein polnischer Staat entrichtet werden, der alle Gebiete umfassen müsste, die über eine „unbestrittene“ polnische Bevölkerung verfügen. Seine Forderung fand Eingang in die Verhandlungen über den Versailler Vertrag. Die Siegermächte vereinbarten, in Teilen von Ost- und Westpreußen sowie in Oberschlesien Volksabstimmungen über die zukünftige staatliche Zugehörigkeit durchzuführen. 1920 wurde in Ost-und Westpreußen und im März 1921 in Oberschlesien abgestimmt. Einen kurzen Artikel von Professor Dr. Winfried Schirotzek finden Sie hier.

Grundwissen für jedermann

Eine kurz gefasste Geschichte der Deutschen im östlichen Europa

Oft sind wir erschreckt und verärgert, über die mangelnde Kenntnis der Geschichte der Deutschen im und aus dem östlichen Europa. Da wird Siebenbürgen mit Ostpreußen verwechselt, weil man bei Ostpreußen automatisch an Burgen denkt. Mag das noch komisch sein, so ist die Annahme, die Spätaussiedler und Vertriebenen seien nur die zurückgebliebenen Reste von HitlersBesatzungstruppen gewesen, ehrverletzend und diskriminierend.

Völlig unbekannt ist die Tatsache, dass die Deutschen nicht als Eroberer kamen, sondern von den einheimischen Herrschern und Adligen gerufen wurden. Eine Ausnahme bildete nur das Baltikum.

Unbekannt ist auch, dass diese Menschen vielfach kulturelle Traditionen bewahrt haben, die ihre Vorfahren vor Jahrhunderten aus ihren Herkunftsregionen in Westdeutschland mitgebracht hatten.

Trotzdem hatten sie sich in vielen Regionen, insbesondere in den früheren deutschen Ostprovinzen, mit der einheimischen Bevölkerung vermischt und keine Parallelgesellschaften gebildet. Ihre zivilisatorischen und kulturellen Leistungen stehen keineswegs hinter denen im heutigen Deutschland zurück. Einer der größten Philosophen weltweit, der größte deutsche Philosoph war Immanuel Kantaus Königsberg, die erste deutschsprachige Nobelpreisträgerin Bertha von Suttner aus Prag.

Die landläufige Annahme von der Rückständigkeit Ostmitteleuropas und Osteuropas ist falsch. 1735 wurde die erste Bergschule der Welt in dem von deutschen Bergleuten geprägten Städtchen Schemnitzin der heutigen Slowakei gegründet. Das war keine Ausnahme. Die ersten mitteleuropäischen Universitäten wurden nicht in Leiden und Heidelberg gegründet, sondern in Prag und Krakau.

Es gibt daher viele Gründe, sich ein kleines Grundwissen über die Deutschen im Osten anzueignen.

Winfried Schirotzek hat dieses Grundwissen in seinem Buch „Deutsche im östlichen Europa“ auf rund 130 Seiten zusammengetragen.

Das Buch kann gegen eine Spende von 10 Euro auf das Konto

IBAN DE 10 8505 0100 0232 0101 53

beim Verein Erinnerung und Begegnung e.V. portofrei bestellt werden. Es ist ausreichend, beim Verwendungszweck Ihren Namen und Adresse sowie Schirotzekbuch anzugeben.

Red.

80 Jahre „Heim ins Reich“
80 Jahre Vertreibung der Polen

Der aus einer Frankfurter jüdischen Familie stammende deutsch-französische Politologe und Literat Alfred Grosser versetzte mehrfach seine deutschen Zuhörer in Erstaunen, wenn er seine Rede mit einem Bekenntnis zu den Leiden der deutschen Vertriebenen begann. Zur Begründung erklärte er:

Bevor man von den eigenen Leiden spricht, muss man von den Leiden der Anderen sprechen.

Dieses „Grosserprinzip“ sollten sich die deutschen Vertriebenen zu eigen machen.

Die meisten Deutschen wissen nicht, dass während des 2. Weltkrieges rund 3 Millionen ethnische Polen ermordet, vertrieben oder zur Zwangsarbeit gezwungen wurden. In diesen Zahlen sind die 3 Millionen ermordeten polnischen Juden nicht enthalten. Alleine in Warschau sind im Zweiten Weltkrieg doppelt so viele Zivilisten umgekommen wie in ganz Frankreich. Die meisten wurden während oder nach dem Warschauer Aufstand ermordet.

Bis zu 650.000 Polen wurden aus den westlichen Gebieten Polens vertrieben, um Platz für die Ansiedlung von Angehörigen der deutschen Minderheiten aus anderen osteuropäischen Staaten zu schaffen. In den westlichen Gebieten Polens gab es aber bereits eine weit verstreute deutsche Minderheit. Sie erlebten mit, wie polnische Nachbarn plötzlich ermordet, entwürdigt, vertrieben oder zur Zwangsarbeit gezwungen wurden.

Ein Aufsatz zu diesem Vertreibungsgeschehen steht hier zum Lesen bereit.

Red.

„Bilder meiner Kindheit“,
Mit diesem Buch von H.-D. Haim erreicht man die Jugend

„Die Schüler der Klasse 8 a lauschten gespannt den Worten Hans-Dieter Haims und erlebten sehr anschaulich die Lebensumstände der damaligen Zeit. Besonders hat gefallen, dass der Autor einzelne Szenen aus seinem Leben äußerst lebendig beschrieben hat, sodass sich beim Zuhörer ein besonderes Gefühl der Anteilnahme entwickelte.“

Mit diesen Worten berichtet eine Lehrerin der Oberschule Innenstadt Görlitz über eine Lesung von Prof. Dr. Hans-Dieter Haim aus seinem Buch „Bilder meiner Kindheit – Erinnerungen an Schlesien“.

Ähnliche Erfahrungen haben Mitglieder der Redaktion bei Zeitzeugengesprächen in Schulen in Pirna und Freital ebenfalls gemacht. Den Schülern gefällt, dass der Autor nicht belehren will, sondern nur Erlebnisse schildert, ohne Schlüsse zu ziehen oder moralische Urteile abzugeben. Die Beurteilung überlässt er dem Leser bzw. bei den Hörern. Eine längere Rezension von Peter Börner steht für Sie hier zum Herunterladen bereit.

Das Buch kann bei der Redaktion (friedrich.zempel@t-online.de) bestellt werden. Wir bitten um einen Auslagenersatz von 20 € auf das Vereinskonto IBAN DE 10 8505 0100 0232 0101 53.

Red.

Druckfrisch: Unser Liederbuch

Nun ist es geschafft! Die Stiftung „Erinnerung, Begegnung, Integration – Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen“ hat das „Liederbuch der Deutschen aus dem östlichen Europa“ herausgebracht.

Druckfrisch liegt es jetzt vor. Diese Sammlung vereint die Texte und Noten von 143 Liedern, die von den Vertriebenen und Spätaussiedlern im Freistaat Sachsen gesungen werden und zu unserem kulturellen Erbe gehören. Viele Heimatgebiete sind vertreten, sogar das kleine Siedlungsgebiet der Deutschen in der Dobrutscha. Bedauerlich ist nur, dass anders als in dem vergriffenen Buch „Lieder der unvergessenen Heimat“ aus dem Heyne Verlag die Heimatgebiete der Deutschen aus Polen, der
Slowakei und der Bukowina nicht berücksichtigt wurden.

Das neue Liederbuch soll zukünftig die Treffen und Veranstaltungen der Spätaussiedler und Vertriebenen in Sachsen begleiten. Es wird gegen eine Spende von zehn Euro von Frau Claudia Florian, Landesgeschäftsführerin des Landesverbandes der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen/Schlesische Lausitz, Heinrich-Heine-Straße 6A, 02977 Hoyerswerda, ausgegeben oder kann per Mail (c.florian-lvs@t-online.de) bestellt werden.

Red.

Lieder der Deutschen aus dem östlichen Europa
Liederbuch

Eleonora Hummel - Die Wandelbaren

Roman über ein deutsches Theater in der Sowjetunion

Den Deutschen in/aus Russland widmen Wissenschaftler und Schriftsteller seit einigen Jahren eine außerordentlich große Aufmerksamkeit, wie sie in ihrer Breite keine andere Volksgruppe erfahren hat. Zu denken ist u. a. an Ulla Lachauer, Freya Klier oder Sergej Lebedew. Eine Autorin verdient besondere Aufmerksamkeit, Eleonora Hummel. Vor 25 Jahren begann die damals 25-jährige mit ihrer literarischen Arbeit. Inzwischen ist die Reihe ihrer Werke in unserem Bücherschrank nicht mehr zu übersehen. Mit unserer Wertschätzung sind wir nicht allein.

In diesem Jahr wurde sie mit dem Kulturpreis der Russlanddeutschen ausgezeichnet. Mit ausschlaggebend für die Preisverleihung war ihr neusten Buches „Die Wandelbaren“, das im vorigen Jahr erschien. Es befasst sich mit dem Ensemble des deutschen Schauspieltheaters Temirtau in Kasachstan. Auch die anderen Bücher von Eleonora Hummel empfehlen wir ihrer Lektüre. Ihr (bisheriges) Gesamtwerk schildert das Leben der Deutschen in Russland in verschiedenen Facetten. Allen Lesern, seien sie Betroffene oder nicht Betroffene, verhelfen ihre Bücher zu einem besseren Verständnis der Deutschen aus Russland. Eine ausführliche Rezension können Sie hier herunterladen.

f. z.

Eleonora Hummel fotografiert von Paul Kuchel
Eleonora Hummel fotografiert von Paul Kuchel

Ein Schlüssel für das Erfolgsgeheimnis?

Am Rande Mitteleuropas

„Am Rande Mitteleuropas“ lautet der Titel eines Buches über das Banat von Prof. Dr. Anton Sterbling, Mitglied des Kuratoriums unserer Stiftung. Es ist ein Bekenntnis zu seiner Heimat, dem Banat als multiethnische Region. Hier hat er bis 1975 gelebt und Elektrotechnik studiert. Dann kam er als Aussiedler in die Bundesrepublik, studierte Sozialwissenschaften und wurde Professor. Obwohl Anton Sterbling sein ganzes Berufsleben als Wissenschaftler gearbeitet hat - über 500 Veröffentlichungen tragen seinen Namen - ist das Buch von den eigenen Erfahrungen des Autors geprägt. Es ist daher gerade für ein breites Publikum lesenswert. Offenbar haben die ersten Studienjahre der Elektrotechnik seine Gedankenführung nachhaltig beeinflusst; denn seine Schriften kann man ohne Benutzung eines Fremdwörterlexikons verstehen.

Innerhalb weniger Jahre hat das in Temeswar im Banat gelegene Nikolaus-Lenau-Gymnasium zwei Nobelpreisträger hervorgebracht. Vielleicht finden Sie in dem Buch von Anton Sterbling einen Schlüssel für das Erfolgsgeheimnis der Deutschen aus dem Banat. Eine ausführliche Rezension von Dr. Jürgen Henkel können Sie hier herunterladen.

d. Red.

Timisoara / Temeswar – europäische Kulturhauptstadt 2021 und ihre deutschen Bezüge

Vor wenigen Wochen elektrisierte eine Meldung ganz Mitteleuropa. Der junge Deutsche Dominik Fritz wurde am 27. Oktober zum Bürgermeister von Timisoara / Temeswar gewählt. Temeswar gehört zu den größten Städten Rumäniens und ist Hauptstadt des Banats, einer der interessantesten Regionen Europas. In den letzten Jahren hat Temeswar mehrfach Furore gemacht. 2009 erhielt Herta Müller den Nobelpreis für Literatur und 2014 Stefan Hell den Nobelpreis für Chemie. Beide Nobelpreisträger gehörten zu der deutschen Minderheit der Banater Schwaben und hatten das Nikolaus-Lenau-Gymnasium in Temeswar besucht, bevor sie mit ihren Familien in die Bundesrepublik ausgesiedelt wurden. Auch der Namensgeber ihrer Schule stammte aus dem Banat. Computerfreaks haben nachgewiesen, dass der Dichter Lenau nach Goethe den umfangreichsten Wortschatz aller deutschsprachigen Dichter hatte. Wer sich mit der deutschen Minderheit im Banat etwas befassen will, dem empfehlen wir den Aufsatz

Mythos Banat

des Mitglieds des Kuratoriums der Stiftung Erinnerung, Begegnung, Integration, Prof. Dr. Anton Sterbling, den Sie hier herunterladen können. Wenn Sie über einen breiten Bildschirm verfügen, können Sie eine 4-spaltige Version mit Bildern und Diagrammen hier herunterladen.

f. z.

Integration durch Arbeit und Leistung

Das schwierige Leben eines Flüchtlingskindes
aus dem Posener Land in der DDR

Jüngere Menschen, die nicht in der DDR aufgewachsen sind, verstehen sie kaum noch. Im Buchhandel gibt es zwar ein umfangreiches Angebot an Apologien der DDR, aber das Leben der Durchschnittsbürger ohne Karriere in der Partei oder Ausgrenzung als Christ oder Systemgegner ist kaum Gegenstand der zahlreichen Neuerscheinungen. Diese Lücke füllt das Buch „Tochter des Schmieds“ von Lieselotte Maria Schattenberg. Sie beschreibt ohne Pathos mit großer Sachlichkeit, ohne in Verteufelung oder Lobhudelei abzugleiten, das Leben einer jungen Frau vom Lande, die zum Lehramtsstudium in eine Großstadt.

Ausgangspunkt der Erzählungen ist das Schicksal der Familie der Protagonistin in ihrer Heimat im Posener Land und nach der Vertreibung in Brandenburg. Es wird deutlich, mit welchen Problemen und Leiden die Vertriebenen und die einfache Landbevölkerung nach dem Krieg fertig werden musste.

Eine Rezension Lieselotte Marschner-Katzur und Bestellhinweise finden Sie hier.

f. z.

Die deutsche Ostsiedlung

Broschüre von Prof. Dr. Winfried Schirotzek

In Gesprächen mit verbandsfremden und jüngeren Menschen wird oft eine von Vertriebenen und Spätaussiedlern als diskriminierend empfundene Fehlinformation offenbar. Sie glauben, die Familien der Spätaussiedler und Vertriebenen seien erst durch das NS-Regime in die östlichen Siedlungsgebiete gekommen. Dass die Deutschen in einigen Regionen bereits vor 800 Jahren ansässig wurden, ist ihnen unbekannt. Unbekannt ist auch, dass sich die deutschen Siedler in den meisten Siedlungsgebieten mit der ortsansässigen Bevölkerung vermischt haben. Auf diese Weise sind die deutschen Stämme der Ostpreußen, Pommern, Schlesier, Siebenbürger usw. entstanden.

Verschiedene Wissenschaftler haben zu diesem Thema dickleibige Bücher herausgebracht, die für Laien zu umfangreich sind. Die rund 30 Seiten DIN A4 der Broschüre von Prof. Schirotzek lassen sich dagegen schnell lesen. Sie sind leicht und flüssig geschrieben, bieten aber alle notwendigen Informationen über die Ostsiedlung und sind daher als Einführung in die Thematik besonders für jüngere Menschen gut geeignet. Die Broschüre kann beim Verein Erinnerung und Begegnung e. V. unter der folgenden Mailanschrift bestellt werden: friedrich.zempel@t-online.de. Nach Überweisung einer Spende von 5 € auf das Vereinskonto: IBAN DE 10 8505 0100 0232 0101 53 wird Ihnen die Schrift zugesandt.

d. Red.

Günter Klemm - Sonnige und andere Tage

Rezension von Peter Redlich, Sächsische Zeitung

Nein, traurig macht das Buch nicht. Auch wenn der Autor, Günter Klemm, unter den Titel

„Die Suche nach der heilen Welt“

den Untertitel setzt „Aus dem Sudetenland vertrieben in Deutschland nicht willkommen“. Der Radebeuler, heute 81 Jahre alt, schildert in vielen Episoden, wie er die Zeit seit 1939 erst in einem Vorort von Teplitz-Schönau, dem heutigen Teplice, und später, nach der Vertreibung, als Sudetendeutscher in Ostdeutschland erlebte.

In bildreicher Sprache schildert Günter Klemm vor allem, was ihm als Kind und Jugendlicher widerfuhr. Da gibt es für den technikbegeisterten Jungen das Erlebnis mit der dampfbetriebenen Bahn, aber auch die Situation, wie er in Berlin in eine Zelle eingesperrt wurde, wegen des Verdachts des Schmuggels. Dabei hatte er nur Weizen im Koffer, der als Futter für Großmutters Hühner gedacht war.
„Verschwindet ihr verhungertes Umsiedlerpack“ musste er sich bei der Bauernhochzeit anhören, weil er die Hoffnung auf ein Stück Zuckerkuchen hatte.

Klemm jammert nicht. Er wechselt zwischen sonnigen Tagen und Tagen mit Regen, wie er selbst über gute und nicht so gute Erlebnisse schreibt. Er hat sein Leben gemeistert. Hat Maschinenschlosser gelernt und als Ingenieur in der Metallbranche gearbeitet. Die letzten Jahre im Berufsleben war er Geschäftsführer einer Textilfirma. Glücklich verheiratet, 3 Kinder, 6 Enkel und 7 Urenkel sind auf dem Paperback-Buchumschlag vermerkt.

Der erst in Dresden – seit 1965 – lebende Autor ist 2004 nach Radebeul gezogen. Er sieht sich als Zeitzeuge und hat die vielen Erinnerungen und Lebensgeschichte seinen Enkeln gewidmet. Wenn es gewollt ist, so sagt Günter Klemm, würde er auch gern Vorträge und Lesungen anbieten – etwa in Schulen. Geschichtenerzählen ist seine Leidenschaft, die ja nützlich sein kann, etwa um Geschichtsunterricht anschaulich zu machen

Das 160-seitige Buch ist gerade im Radebeuler Notschriften-Verlag erschienen und beim Verlag (info@notschriften.de ) oder im Buchhandel für 11,90 € zu erwerben (ISBN: 978 – 3 – 948935 – 04 – 7).

Siebenbürgen – Trauer und Lichtblick

hier hängt das Herz von Prinz Charles und Peter Maffay

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„Siebenbürgen süße Heimat“ – ein Buch von Thomas Heller/Dresden

Thomas Heller aus Dresden, Jahrgang 1964, beschäftigt sich seit Jahren mit Siebenbürgen, wie Christian Ruf in seiner Rezension betont, die Sie hier herunterladen können. Am Schluss seiner Buchbesprechung führt der Rezensent aus, dass einige junge Deutsche ihre Zelte abgebrochen haben, um im Baltikum oder Schlesien zu leben. Das trifft auch auf Rumänien zu. Hermann und Katharina Kurmes, zwei Gymnasiallehrer aus Niedersachsen, haben in Magura unweit des Dracula-Schlosses die Pension Villa Hermani eingerichtet. Von hier aus kann man nicht nur Dracula einen Besuch abstatten, sondern unter kundiger Führung ein Rendezvous mit Braunbären haben. Nähere Informationen findet jeder, der bei einer Suchmaschine Villa Hermani eingibt. Aber Achtung Hermani schreibt man mit einem „r“.

Apropos Peter Maffay und Prinz Charles. Dass der Rockmusiker Maffay immer noch einen Koffer in seiner Heimat Siebenbürgen hat, wissen wohl die meisten unserer Leser. Weniger bekannt ist, dass Prinz Charles in Siebenbürgen eine kleine „Nebenresidenz“ unterhält. Nirgendwo sonst ist die Chance so groß, ihn bei einer Wanderung persönlich zu treffen; denn die ortsansässigen versichern, dass er sich hier sehr volksnah verhält.

Thomas Heller ist nicht der erste Dresdner Fotograf und Autor, der sich durch Siebenbürgen faszinieren ließ. Der heute in München lebende Martin Eichler (näheres finden Sie im Internet) ist ebenfalls mit einer Reihe von Publikationen an die Öffentlichkeit getreten.

f. z.

Erinnerung, Begegnung, Integration

Stiftung der Vertriebenen im Freistaat Sachsen

Unsere Arbeit geht trotz Corona weiter

Spenden Sie für das dauerhaft gesicherte Grundvermögen (nicht für den Verbrauch bestimmt)

Stiftungskonto: IBAN: DE 12 8705 2000 0190 0222 05

Aufruf an die Deutschen aus Russland und den Nachfolgestaaten der UdSSR

Spenden Sie Dokumente, Fotos und Ausstellungsstücke für unsere Erinnerungsstätte in Knappenrode/Hoyerswerda.

In Knappenrode werden wir eine Erinnerungs-, Begegnungs- und außerschulische Bildungsstätte errichten. Für diese Einrichtung suchen wir dringend Erinnerungsstücke der Deutschen aus Russland.

Wir kennen Ihre Geschichte. Wir wissen, dass Sie so gut wie keine Gegenstände aus den früheren Heimatgebieten an der Wolga den vielen anderen Siedlungsgebieten in der früheren UdSSR nach Sachsen mitbringen konnten. Für uns sind aber auch wichtig:

Briefe und sonstige Dokumente, Fotos, Bilder, Bücher und Kleidungsstücke, auch aus der Zeit nach der Entlassung aus der Trudarmee, beispielsweise der Schriftverkehr über ihre Aussiedlung und natürlich auch Gegenstände wie Geschirr und Haushaltsartikel.

Selbst ein paar Stricknadeln sind für uns wichtig, wenn sie mit einer Geschichte verbunden sind. Wenn Sie sich nicht zutrauen, die Geschichten selbst aufzuschreiben, helfen wir Ihnen gerne.

Vor einigen Monaten haben wir von einer Deutschen aus Georgien ein Gesangbuch bekommen. Die Eigentümerin hatte zunächst Bedenken, es uns zu übereignen, weil es schon stark zerfleddert war. Aber gerade dieser Zustand war für uns wichtig; denn er ermöglichte uns, die Geschichte der Familie seiner Eigentümerin zu erzählen. Mit einer druckfrischen Ausgabe hätten wir das nicht tun können. Die Geschichte musste die Eigentümerin nicht selbst aufschreiben. Wir habe sie interviewt.

Sie können sich gerne direkt an die Stiftung der Vertriebenen, Heinrich-Heine-Straße 6A, 02977 Hoyerswerda oder an die Vorsitzenden Ihrer landsmannschaftlichen Gliederung wenden.

Friedrich Zempel

PS. Natürlich sind wir auch an den gleichen Erinnerungsstücken aus den Herkunftsgebieten der anderen Vertriebenen und Spätaussiedlern interessiert.

Tanzkreis Rübezahl aus Deutsch-Paulsdorf bei Görlitz

Im Bild: Das Kinder-und Jugendensemble Sonnenschein des DRZ Leipzig im Plenarsaal des Sächsischen Landtages

Falls es Vorschläge, Hinweise oder Beiträge gibt, bitte wenden Sie sich an das Team über die Kontaktseite. Dort finden sie den Link zum Postfach des Vereins.