Landesverband der Vertriebenen und Spätaussiedler im Freistaat Sachsen / Schlesische Lausitz e. V.
mit Erinnerung und Begegnung e. V. (EUB)

Wir begrüßen Sie auf unserer Internetseite www.vertriebene-in-sachsen.de

Erben gesucht!

Grußworte zum Jahreswechsel

Erben gesucht! Dieses Stichwort elektrisiert alle. Wenn es um ein großes, gewaltiges Erbe geht, melden sich selbst die entferntesten Verwandten.

Auch wir suchen Erben.

Es geht um das Erbe der Philosophen Immanuel Kant, Gottfried Herder, Hannah Arendt; der Wissenschaftler Nikolaus Kopernikus, Hermann Oberth, Maria Göppert-Mayer; der Schriftsteller Andreas Gryphius, Rainer Maria Rilke, Berta von Suttner sowie vieler anderer großer Deutscher aus dem Osten.

Wir suchen Erben für das kulturelle Erbe der Heimatgebiete der Vertriebenen und Spätaussiedler.

Wie bei jedem Erbfall eines geistigen Erbes sind die Verwandten und die Menschen aus den früheren Wohnorten des Erblassers besonders berechtigt und verpflichtet, dieses Erbe zu pflegen und an die weiterzugeben, die keine Kenntnisse und Erfahrungen besitzen.

Sie, die Vertriebenen und Spätaussiedler und deren Nachkommen, sind in erster Linie berechtigt und verpflichtet, dieses Erbe zu pflegen.

Erben sind aber nicht nur die Vertriebenen und Spätaussiedler, sondern alle Deutschen und im weiteren Sinn alle Europäer. Auch sie sollten dieses Erbe pflegen.

Die Vertriebenen und Spätaussiedler und deren Nachkommen können aber nicht erwarten, dass andere aktiv werden, wenn sie selbst die Hände in den Schoß legen. Anregungen für entsprechende Aktivitäten finden Sie auf den folgenden Internetseiten.

Dieser Appell ist keine einsame Entscheidung der Unterzeichner. Der Bundestag und der sächsische Landtag haben die für diese Arbeit erforderlichen Mittel in den Haushalten für 2017 erhöht.

Frank Hirche Frank Hirche
Vorsitzender des Landesverbandes
der Vertriebenen und Spätaussiedler
im Freistaat Sachsen/schlesische Lausitz
Friedrich Zempel Friedrich Zempel
Vorsitzender des Vereins
Erinnerung und Begegnung

Das Jahr 2016 im Rückblick

Im vergangenen Jahr wurden 2 historische Ereignisse besonders gewürdigt:

Die Ankunft der ersten Vertriebenentransporte aus dem Sudetenland vor 70 Jahren im Juni 1946 in dem Durchgangslager Bad Brambach. Auf Initiative von Dr. Erich Kraus aus Dresden wurde auf dem Bahnhof von Bad Brambach eine Gedenktafel in deutscher und tschechischer Sprache angebracht. Bemerkenswert war, dass an der Enthüllung der Tafel auch ein Vertreter der tschechischen Botschaft teilnahm.

Die Deutschen aus Russland erinnerten in verschiedenen Veranstaltungen an den Beschluss des Obersten Sowjets der UdSSR vom 28. August 1941 zur Deportation der Deutschen in Russland als Antwort auf den Überfall des Deutschen Reiches vom 22. Juni 1941.

Dieses Ereignis stand auch im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Zwangsumsiedlung am 11. September im Plenarsaal des sächsischen Landtages, den Landtagspräsident Dr. Matthias Rößler dankenswerterweise für die Veranstaltung zur Verfügung gestellt hatte. Die Gedenkrede hielt Staatsminister Dr. Fritz Jaeckel.

Der landesweite Tag der Heimat wurde am 19. Juni erstmalig zusammen mit dem Treffen der Chöre durchgeführt, das traditionell in Reichenbach bei Görlitz stattfindet, weil hier unser Haus der Heimat steht. Viele hundert Heimatfreunde waren aus ganz Sachsen und Niederschlesien mit Bus, Bahn und PKW angereist. Die Stadt und die ev. Kirchengemeinde hatten freundlicherweise uns ihre dem Haus der Heimat benachbarten Räume bereitgestellt. Besonders erfreulich war die Teilnahme einer Tanzgruppe der deutschen Minderheit aus Liegnitz.

Auch außerhalb dieses Termins war das Haus der Heimat Ziel vieler Besuchergruppen. Im Herbst wurde eine Ausstellung mit Bildern des ostpreußischen Malers Eduard Bischoff gezeigt.

Ein besonderer Erfolg war die Teilnahme der Ost-und Westpreußen-Gruppe Limbach-Oberfrohna an dem Tag der Sachsen am 2. September in Limbach- Oberfrohna. Ihr Infostand und der mit der Gerhart-Hauptmann-Schule gestaltete Festwagen fanden großes Interesse bei den Besuchern.

Da Breslau in diesem Jahr europäische Kulturhauptstadt war, reisten mehrere Gruppen nach Schlesien. Im November wurde eine Exkursion für die Mitglieder der Vorstände der Landsmannschaften und der Kreis- und Ortsgruppen nach Breslau durchgeführt. Die Landsmannschaft Schlesien besuchte im Dezember einen Adventsmarkt an dem Schloss Lomnitz.

Die 3 Wanderausstellungen ("Trachten aus den Heimatgebieten", "Unsere neue Heimat – Sachsen", "Integration durch Leistung") wurden wieder in mehreren sächsischen Städten gezeigt. Zu dem Thema der Ausstellung “Integration durch Leistung“ passt, dass bei den Olympischen Spielen in Rio mit Kristina Vogel, eine junge Deutsche aus Russland, eine Gold-und Bronzemedaille errang.

Weitere Berichte und Informationen finden Sie in unserer Zeitung "Vertriebene und Spätaussiedler in Sachsen", die wir unter der Rubrik "Aktuelles" online gestellt haben, und auf der Seite der Landsmannschaft Schlesien (siehe Links).

Friedrich Zempel

Filmhinweis für Dresden

Nach Frankfurt am Main bestand in Breslau die bedeutendste und traditionsreichste jüdische Gemeinde in Deutschland.
An das Schicksal der Breslauer Juden erinnert der Dokumentarfilm
von Karin Kaspar und Dirk Szuszies
Wir sind Juden aus Breslau"
"Überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933"
Premiere am 18.1., 19.00 h, im Programmkino Ost in Dresden

Übersicht der landesweiten Veranstaltungen in 2017

(Veranstaltungen der regionalen und lokalen Ebene sind bei den jeweiligen Gruppen zu erfragen.)

"Die Lage der deutschen Minderheiten in Südosteuropa"

Vortragsveranstaltung mit Prof. Dr. Anton Sterbling
18. März, 14 Uhr, Plattner Hof, Platner Str. 34, Chemnitz

Kirchentag der evangelischen Ostpreußen in Sachsen

23. April, ab 9 Uhr 30
St. Matthäus-Kirche, Zinzendorfstr. 14 bis 16, Chemnitz

25. - 27. Mai Exkursion nach Tschechien

Tag der Heimat und Treffen der Chöre 2017

11. Juni, ab 11 Uhr
St. Johannes-Kirche, Reichenbach/bei Görlitz

Gedenktag für die Opfer von Flucht,
Vertreibung und Zwangsumsiedlung

10. September, ab 11 Uhr
Plenarsaal des sächsischen Landtages

Gute Entwicklungen in der Heimat setzen sich fort:
Stadt Strehlen weiht gemeinsam mit der Bundesheimatgruppe Stadt und Kreis Strehlen Museum ein

"Was lange währt, wird endlich gut!". Die niederschlesische Kreisstadt Strehlen (35km südlich von Breslau) weihte am 3. Oktober endlich das Museum ein, das sowohl die deutsche Geschichte vor dem 2. Weltkrieg als auch die polnische Geschichte nach 1945 thematisiert. Schon 1995 gab es die ersten Versuche der Bundesheimatgruppe Stadt und Kreis Strehlen, die Museumsidee in Strehlen vor Ort "schmackhaft" zu machen. Der damalige Vorsitzende der Bundesheimatgruppe, George von Gellhorn, stieß derzeit auf wenig Interesse in seiner Heimatstadt. Er gab jedoch nicht auf und arbeitete weiter an der Verwirklichung seines Wunschtraumes. So folgte 2002 ein weiterer Versuch. Im Hotel Maria auf dem Marienberg traf sich der Vorstand der Bundesheimatgruppe Strehlen mit mehreren Interessensgruppen der Stadt Strehlen (Vertreter vom Landratsamt und vom Bergeverein, Geschichtsexperten und Bewohner der Stadt und des Kreises Strehlen), um die Museumsidee erneut anzuregen. Dieses Mal war das Interesse der heutigen Bewohner Strehlens größer, so dass mit einer raschen Umsetzung dieser Idee gerechnet wurde. Weit gefehlt! Nun gab es zwischen den verschieden Interessensgruppen vor Ort Unstimmigkeiten über die Art und Gestaltung des Museums sowie über einen möglichen Standort. Obwohl im Laufe der Zeit weitere Besuche der Bundesheimatgruppe folgten, zog sich die Verwirklichung in die Länge. Gegen Ende Jahres 2014 fassten sich der in Strehlen lebende Zbigniew Kazimierowicz und Falk Pusch aus Dorf Wehlen ein Herz und machten "Nägel mit Köpfen": Während Zbigniew Kazimierowicz erneut Druck auf die städtische Behörde vor Ort ausübte, bot Falk Pusch sich an, die Exponate von der Heimatstube Herne nach Strehlen zu transportieren. Das erfolgte dann Februar 2015. Herr Kazimierowicz katalogisierte diese und entwickelte ein Konzept für ihre Ausstellung. Nach dem Umzug des Kulturzentrums aus der kleinen Kapelle gegenüber der ehemaligen Brauerei in das neu eröffnete Kulturzentrum an Stelle des alten Kinos war auch die entsprechende Örtlichkeit ohne großen baulichen Aufwand gefunden.

Am 3. Oktober 2015 sollte es dann endlich so weit sein. Bürgermeisterin Dorota Pawnuk unterstrich bei der Eröffnungsfeier die Bedeutung des Museums sowohl für die früheren deutschen Bewohner als auch für die heutigen Bewohner der Stadt Strehlen. Dr. Fleger zeigte sich überzeugt, dass das Museum einen zusätzlichen Beitrag für die guten deutsch-polnischen Beziehungen leisten wird und diese fördert. In seiner Dankesrede gedachte Dr. Fleger (jetziger Vorsitzender BHG) an den früheren Vorsitzenden George von Gellhorn, der schon in früheren Jahren versuchte, freundschaftliche Kontakte zu den heutigen Menschen in seiner Heimatstadt zu knüpfen. In den frühen Jahren klangen solche Ideen eher utopisch. Trotzdem verfolgte George von Gellhorn dieses Ziel unbeirrt weiter und setzte seine Arbeit mit dem Wunsch fort, in Strehlen eine Art Heimatstube/Museum zu eröffnen. So überreichte Dr. Fleger ein eingerahmtes Foto vom ehemaligen Vorsitzenden George von Gellhorn mit einem Text in deutscher und polnischer Sprache, der das Lebensziel dieses verdienten Mannes würdigt und in diesem Museum ausgestellt werden soll. Falk Pusch überreichte der Bürgermeisterin ein Gemälde von dem aus Strehlen stammenden Maler Heinz - Georg Schneider (Strehlen Stadtansicht von einem Wanderweg am Marienberg aus gesehen). Schießlich durfte er gemeinsam mit der Bürgermeisterin Pawnuk, Zbigniew Kazimierowicz, Bärbel Gräsner und Dr. Fleger das rot - weiß gestreifte Band zur offiziellen Eröffnung durchschneiden.

Die meisten Besucher waren positiv überrascht, da die Einrichtung und die Ausstellung sehr ansprechend präsentiert wurden. Die größte Überraschung war jedoch eine künstlerisch angefertigte Darstellung des berühmtesten Sohnes dieses Stadt: Der Nobelpreisträger Paul Ehrlich sitzt in Lebensgröße am Schreibtisch und arbeitet an seiner Forschung. Eine Versuchsanordnung mit echten Laborgegenständen wird ebenso präsentiert wie einige Poster, die das Leben und Wirken des Mediziners zeigen. Ein Modell der damaligen Michaeliskirche ist ebenfalls zu bewundern. Dieses Gotteshaus wurde im Krieg völlig zerstört. Ein Wiederaufbau war nicht mehr möglich. Das Modell lässt nun besser beurteilen, wie imposant diese Kirche einst gewesen war.

Das Museum soll auch in Zukunft lebendig gestaltet werden und so hofft Zbigniew Kazimierowicz auf eine weitere gute Zusammenarbeit mit der Bundesheimatgruppe.

Von links nach rechts Heinz Werner Fleger (Vorsitzender Heimatgruppe Strehlen), Dorota Pawnuk (Bürgermeisterin von Strzelin) sowie Herr Pusch, Frau Gräsner, Herr Preußer und Frau Soltis von der Heimatgruppe Strehlen

Falk Pusch (Landsmannschaft Schlesien, Landesgruppe Sachsen) bei der Ankunft in Strehlen/Strzelin

Tanzkreis Rübezahl aus Deutsch-Paulsdorf bei Görlitz

Im Bild: "Tanzkreis Rübezahl" aus Deutsch-Paulsdorf bei Görlitz

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